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Schulranzen

Wie viel Schulranzen verträgt das Kind?

Wohl nichts bewegt die Emotionen von Erziehungsverantwortlichen so sehr, wie die Frage, wie viel Schulranzengewicht den Kindern zugemutet werden darf. Hintergrund dieser Sorge ist neben vielen Fehlinformationen auch die Tatsache, dass Rückenschmerzen im Kindes- und Jugendalter deutlich zunehmen. So weisen viele wissenschaftliche Studien auf einen "dramatischen" Anstieg der Prävalenz von Rückenschmerzen mit zunehmendem Alter hin: von weniger als 10 % der unter 10-Jährigen bis zu 50 % bei 15- und 16-Jährigen (Sheir-Neiss et al. 2003).

Insbesondere im Zuge der intensiven Wachstumsbeschleunigung während der Pubertät kommt es zu einer auffälligen Häufung von Rückenbeschwerden (Leboeuf-Yde et al. 1999; Viry et al. 1999).

Als ein wesentlicher Risikofaktor für das Auftreten von Rückenschmerzen im Kindes- und Jugendalter wird u. a. die Belastung durch den beladenen Schulranzen diskutiert. Allerdings gibt es bisher keinen wissenschaftlich fundierten Beleg für einen ursächlichen Bezug von Rückenschmerzen infolge zu schwerer Schulranzen; dies betrifft auch die Empfehlung, dass das Ranzengewicht 10 bis 12,5 % des Körpergewichts nicht überschreiten sollte (vgl. Jüngst 2000).

Die Diskussionen betreffend einer möglichen Gefährdung von Kindern durch das Schulranzengewicht sind sehr komplex und stehen immer im Zusammenhang mit der individuellen Belastungsverträglichkeit, der Belastungsdauer und einer möglichen Fehlbelastung durch die Qualität des Ranzens selbst und die individuellen Tragegewohnheiten.

Der "Schulranzen-TÜV" der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V.

Um diesen beeinflussenden Faktoren auf den Grund zu gehen, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V. in Zusammenarbeit mit der AOK Hessen im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2005/2006 an Hessischen Grundschulen eine umfassende Fragebogenerhebung durchgeführt, in der die Eltern der Kinder zu folgenden Punkten um Auskunft gebeten worden sind:

  • Schulweg des Kindes (wie weit, wie zurückgelegt),
  • Trageverhalten (Dauer, Tragegewohnheiten),
  • Schulranzen-Typ und
  • Gewicht des Schulranzens (leer, gepackt, Gewicht des Inhalts).

Insgesamt konnten 1.937 Fragebögen ausgewertet werden die zu folgenden Ergebnissen geführt haben (vgl. Dordel, Breithecker et al. 2007).

Die positive Erkenntnis der Studie ist, dass mehr Kinder zu Fuß (74 %) zur Schule gehen als immer vermutet wird. Dabei haben die Kinder in der Mehrzahl (77,6 %) eine Schulweglänge von höchstens 1.000 m zu bewältigen, also den Schulranzen für Hin- und Rückweg für etwa eine halbe Stunde zu tragen.

Das Leergewicht der Schulranzen hat im Mittel, mit einem Gewicht von 1,3 kg, den oberen Rand der Empfehlungen entsprochen.

Das relative Schulranzengewicht – Gewicht des Ranzens (inkl. Inhalt) im Verhältnis zum Körpergewicht des Kindes – hat durchschnittlich 13,3 % betragen.

Die übergewichtigen Kinder tragen mit durchschnittlich 10,1 % die auf ihr Körpergewicht bezogen leichtesten Ranzen; bei den Untergewichtigen überschreitet das Ranzengewicht mit 15,7 % deutlich die kritische Grenze von 15 %. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass die körperliche und motorische Leistungsfähigkeit übergewichtiger und insbesondere adipöser Kinder in allen Bereichen, in denen das eigene Körpergewicht bewältigt werden muss, herabgesetzt ist (vgl. Dordel et al. 2005; Graf et al. 2007). Auch das vergleichsweise geringere Ranzengewicht kann für diese Kinder eine erhebliche Belastung darstellen.

Die bisher vorliegenden Studien dokumentieren, dass ein Ranzengewicht bis 15 % des Körpergewichts ohne nennenswerte Veränderungen bewältigt wird; bei einem Gewicht von 15 % kommt es jedoch zu signifikanten Veränderungen von Haltung und Bewegung, die Anlass zu der Vermutung geben, dass strukturelle Veränderungen auf längere Sicht nicht auszuschließen sind.

Der Nachweis einer erheblichen Belastungssteigerung im Bereich der Wirbelsäule, bei einem zusätzlichen Gewicht von 15 % - und nicht wie bisher immer vermittelt bei 10 % -, verdeutlicht die Problematik des Schulranzentragens von Kindern und Jugendlichen, deren Bewegungsapparat während der intensiven Wachstumsphasen besonders empfindlich gegenüber Belastung ist. Hinzu kommen erhebliche Mehrbelastungen im Bereich des oberen Sprunggelenks, des Knie- und des Hüftgelenks mit steigendem Ranzengewicht. Insbesondere die erhöhten Kräfte, die auf das Kniegelenk wirken, lassen auf längere Sicht Gelenkschäden erwarten, die sich durchaus auch auf andere Strukturen des Bewegungsapparates, insbesondere die Lendenwirbelsäule, auswirken dürften (Schmalz et al. 2007).

Hinsichtlich des Trageverhaltens konnte festgestellt werden, dass der Schulranzen von den Kindern zwar grundsätzlich auf dem Rücken getragen wird, dieser aber nicht immer wie gefordert rückengerecht am Rücken anliegt. Häufig ist er mit zu langen Tragriemen zu weit hinten und unten positioniert, sodass das Kind deutlich den oberen Rumpf als Kompensation des Ranzengewichts nach vorn verlagern muss. Diese Situation stellt eindeutig eine unnötig hohe, in sagittaler Richtung asymmetrische Belastung der Wirbelsäule dar. Hier kommt es zu einer Kyphosierung der Wirbelsäule und Einengung des Brustkorbs, die nach Lai et al. (2001) zu einer Einschränkung von Lungenvolumina führt. Diese Form des Schulranzentragens kommt vor, wenn dem Kind – und seinen Eltern – die Anforderungen an einen korrekten Sitz des Schulranzens über die Einstellung der Tragegurte nicht bekannt ist oder der Ranzen nicht körpergerecht geformt ist. Dabei zeigt sich eine eindeutige Tendenz zu diesem eher ungünstigem Trageverhalten und der Wahl nicht körpergerecht geformter Rucksäcke mit zunehmendem Grundschulalter ab.

Hier sollte dringend aufgeklärt und gewarnt werden. Speziell vor Rucksäcken, die zwar leicht sind, ihnen fehlt aber die notwendige Stabilität und die ergonomische Form, die einen guten Ranzen ausmachen. Zudem gilt es vielfach als "cool", die Tragriemen so lang einzustellen, dass sich die Oberkante des Ranzens nicht auf der Höhe der Schultern befindet, sondern der Ranzen deutlich tiefer sitzt und nicht dem Rücken komplett anliegt.
Dieser Ranzentyp und dieses Trageverhalten stellen eine unnötige Mehrbelastung für den Rücken dar.

Die Studie macht einmal mehr deutlich, dass neben den vielen Unsicherheiten wie dem zulässigen Schulranzengewicht auch die Frage nach dem Ranzentyp sowie dem Trageverhalten eine dezidierte Aufklärung erforderlich machen. Mit der Gütesiegel-Auszeichnung der ersten unter ergonomischen Kriterien getesteten Schulranzen möchte die AGR hier einen wesentlichen Beitrag leisten.

Hierauf sollten Sie achten:

  • Das Leergewicht des Schulranzens darf 1.300 g, bei einem Innenraumvolumen von Minimum 15 l, nicht überschreiten.
  • Die Tragegurte müssen gut gepolstert und mindestens 4 cm breit sein (verteilt den Druck großflächig auf die Schultern). Sie müssen leichtgängig verstellbar und optimal auf die Körpergrößenunterschiede einstellbar sein. Ein Verrutschen der Gurte muss vermieden werden (z. B. durch "bananenförmige" Ausführung der Gurte)
  • Die auf dem Rücken des Kindes anliegende Seite (Rückenteil) des Schulranzens muss folgende Kriterien erfüllen:
  • ergonomische Konturierung (unter Berücksichtigung der physiologischen Schwingung der Wirbelsäule), welche die Dornfortsätze der Wirbelsäule entlastet und die Hauptlast auf die Weichteile entlang der Wirbelsäule seitengleich überträgt.
  • druckstabiles Material, damit der Inhalt nicht auf den Rücken des Kindes durchdrücken kann.
  • atmungsfreundliche Polsterung mit ausreichenden Belüftungsrillen zur besseren Luftzirkulation.
  • rutschfestes Material mit seitlicher Rückenführung (seitliche Erhöhungen), welches ein "hin und her" Rutschen verhindert und eine mittige Platzierung des Ranzens auf dem Rücken gewährleistet.
  • Die Fächeraufteilung im Ranzen muss so gestaltet sein, dass ein rückennahes Platzieren/Tragen schwerer Gegenstände in dafür vorgesehenen Fächern realisiert werden kann.

Schlussbetrachtung

Mit der Einschulung beginnt für viele Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Sie sind häufig stundenlangen Sitzbelastungen auf ergonomisch unzureichenden Sitzmöbeln sowohl in der Schule und der Freizeit ausgesetzt und ein meist zu schwerer und nicht richtig getragener Schulranzen wird sie über Jahre hinweg begleiten. Hinzu kommt eine deutliche Verringerung ihrer Bewegungszeiten. In ihrer Summe können diese Bedingungen dazu führen, dass u. a. die Entwicklung der Körperhaltung negativ beeinflusst wird und Rückenschmerzen entstehen.
Grundsätzlich muss von einer besonderen Empfindlichkeit gegenüber Fehlbelastungen jeder Art ausgegangen werden solange sich das Haltungs- und Bewegungssystem noch in der Entwicklung befindet. Umso bedeutender ist es, schon im Kindesalter auf ergonomische Bedingungen aufmerksam zu machen. Dazu gehört auch das Tragen eines ergonomischen Schulranzens, der mit einem maximalen Zusatzgewicht von 15% des Körpergewichtes auf dem Rücken getragen werden muss. Dabei sollte das regelmäßige Tragen des Ranzens auch als angemessener Trainingsreiz für den sich entwickelnden Bewegungsapparat positiv gewertet werden.

Für Empfehlungen hinsichtlich ergonomischer Schul- und Freizeitmöbel orientieren Sie sich bitte an den bereits zertifizierten Produkten für einen gesunden Kinderrücken der AGR.

Quelle: Dr. Dieter Breithecker, Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltung und Bewegungsförderung, www.haltungundbewegung.de. Stand: Januar 2008

Produkte mit dem "AGR Gütesiegel" aus diesem Bereich:

  • Sammies Premium und Sammies Optilight

"Produktinformationen anfordern ..."

Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung zum Thema Schulranzen

Hersteller

Sammies by Samsonite
Hama GmbH & Co KG
Dresdner Str. 9, D-86653 Monheim
Tel. 09091/502975, Fax 09091/502467

info@sammies-schulranzen.de

www.sammies-schulranzen.de

 


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letzte Aktualisierung: 03.11.2009
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