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Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR) rät: Erst die exakte Einstellung des Rades sorgt für Fahrkomfort
Ein rückengerecht konzipiertes Fahrrad ist nur der erste Schritt zum gesunden und schmerzfreien Rad fahren. Darauf weist die AGR hin. Diese zeichnete im vergangenen Jahr erstmals Fahrräder mit ihrem Gütesiegel aus. Die drei Modelle (Culture, Avenue, Equinox) von riese und müller überzeugten durch eine besonders rückengerechte Konstruktion und erhielten das AGR-Gütesiegel. Die AGR rät zudem, dass das Fahrrad exakt auf seinen Fahrer eingestellt sein muss, damit es nicht nur optimal funktioniert, sondern auch höchst möglichen Komfort bietet. Insgesamt sechs Einstellungen sind notwendig. Sie lassen sich leicht in Eigenregie vornehmen.
Anders als im Auto oder auf einem Stuhl, ist man auf dem Fahrrad aktiv. Mitunter vollbringt man körperliche Höchstleistungen. Damit der Motor "Mensch" nicht nur seine volle Leistung entfalten kann, sondern auch möglichst störungsfrei – sprich schmerzfrei – läuft, müssen Mensch und Maschine perfekt auf einander eingestellt sein. Die Aktion Gesunder Rücken e.V. hat dies bei der Auszeichnung von Fahrrädern berücksichtigt: Umfassende Einstellbarkeit von Sattel und Lenker waren ein wichtiges Kriterium. In insgesamt sechs Dimensionen sollte sich das Fahrrad auf den Fahrer anpassen lassen:
1. Sitzhöhe
Die Sitzhöhe ist der Abstand zwischen Sattel und Pedale. Er sollte so lang sein, dass die Beine beim Pedalieren niemals völlig durchgestreckt sind. Als Faustregel gilt: Wenn Sie auf dem Rad sitzen, sollte die Ferse des ausgestreckten Beins die Pedale gerade eben erreichen. Mit der richtigen Fußstellung auf dem Pedal (Fußballen auf der Pedalachse) hat das Bein dann eine leichte Beugung.
Achten Sie beim Einstellen der Sitzhöhe darauf, dass Ihre Beine unterschiedlich lang sein können. Deshalb sollten Sie diese Einstellung mit beiden Beinen durchführen. Wählen Sie die Sitzhöhe des kürzeren Beins. Sollte der Unterschied mehr als 1 cm betragen, empfiehlt es sich, unterschiedlich dicke Pedale zu montieren und/oder orthopädische Einlagen zu verwenden.
Eine zu geringe Sitzhöhe erkennen Sie an einer zu starken Kniebeugung in der tiefsten Pedalstellung. Eine zu hohe Sitzhöhe äußert sich durch seitliches Kippen des Beckens auf dem Sattel während des Pedalierens.
2. Sattelposition
Die Sattelposition beschreibt die Stellung des Sattels gegenüber des Tretlagers. Sie lässt sich verstellen, in dem man den Sattel an der Sattelstütze vor- oder zurückschiebt. Die ideale Sattelposition finden Sie mit einem Lot: Diese muss bei waagerechter Pedalstellung (und korrekter Fußstellung auf dem Pedal) ausgehend von der Kniescheibe des vorderen Knies exakt durch die Pedalachse verlaufen. Ist das Lot vor der Achse, muss der Sattel weiter nach hinten geschoben werden. Bleibt das Lot hinter der Pedalachse, schieben Sie den Sattel nach vorn. Achten Sie beim Justieren darauf, dass das Rad gerade steht, andernfalls wird die Messung ungenau. Am einfachsten lässt sich Lot nehmen, wenn Sie auf dem Rad sitzen und ein Helfer misst.
3. Lenkerhöhe
Die Lenkerhöhe beschreibt den Höhenunterschied zwischen Sattel und Lenker. Sie bestimmt die Winkelstellung des Rückens im Verhältnis zum Becken. Es empfiehlt sich eine möglichst aufrechte Sitzposition. Um die Lenkerhöhe einzustellen haben Sie zwei Möglichkeiten: Zum einen können Sie den Vorbau aus der Gabel herausziehen, zum anderen erlaubt ein winkelverstellbarer Vorbau auch die Einstellung der Lenkerhöhe.
4. Lenkerneigung
Die Lenkerneigung optimiert die Handhaltung. Die Handhaltung sollte so sein, dass am Handgelenk keine Nerven oder Bänder eingeklemmt sind und kein Blutstau (Taubheitsgefühl) auftritt. Zudem bestimmt das persönliche Komfortgefühl die optimale Lenkerneigung. Die Lenkerneigung lässt sich durch Verstellen des Lenkers an der Vorbauklemmung einstellen. Sehr gut ist ein Lenker, der variable Griffpositionen ermöglicht.
5. Sattelneigung
In der Regel ist eine waagerechte Sattelneigung die optimale Wahl. Neigt der Sattel nach vorne hoch, haben Sie das Gefühl, nach hinten herunterzurutschen. Zeigt die Sattelspitze nach unten, dann rutschen Sie nach vorne und die Arme müssen kraftvoll dagegen arbeiten. Entgegen der landläufigen Meinung ist es bei Druckgefühl auf den Genitalien ratsam, den Sattel vorn leicht hochzustellen. So rutschen Sie förmlich auf Ihre Beckenknochen und erfahren Entlastung.
6. Sitzlänge
Die Sitzlänge beschreibt die Entfernung vom Sattel zum Lenker. Hierbei spielt auch die Lenkerhöhe eine entscheidende Rolle. Deshalb gibt es keine prägnante einfache Messmethode. Vielmehr gilt "gut ist, was sich dauerhaft komfortabel anfühlt". Haben Sie das Gefühl, mit "eingeklemmten Organen" zu fahren, sind aber mit der Winkelstellung des Rückens zufrieden, so ist die Sitzlänge zu kurz. Haben Sie umgekehrt bei einer angenehmen Rückenwinkelstellung das Gefühl, sehr gestreckt zu sein, so sollten Sie die Sitzlänge reduzieren. Die Sitzlänge lässt sich durch einen winkelverstellbaren Vorbau variieren. Reicht dieser Einstellbereich nicht aus, so muss der Vorbau gewechselt werden. Vom Verschieben des Sattels zur Einstellung der Sitzlänge sollten Sie absehen, da Sie auf diese Weise auch die Sattelposition gegenüber der Tretkurbel verstellen.
Die optimale Sitzposition ergibt sich aus dem Zusammenspiel dieser sechs Merkmale. Alle sechs beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb empfiehlt es sich, nachdem Sie alle sechs Punkte eingestellt haben, einen zweiten Durchlauf zu starten, um die Feineinstellung vorzunehmen.
Alle Einstellungen müssen im Interesse der Sicherheit technisch korrekt vorgenommen werden (siehe auch Bedienungsanleitung). Natürlich bietet auch der AGR-geschulte und -zertifizierte Fachhändler die Beratungsqualität und den dazugehörigen Service.
Entsprechendes Informationsmaterial, z. B. die umfangreiche Broschüre "Einkaufsleitfaden für rückengerechte Produkte" sowie die Zeitschrift "Rücken Signale" mit einem aktuellen Verzeichnis von AGR-zertifizierten Fachhändlern und Produkten mit dem AGR-Gütesiegel ist auf Anforderung zum Preis von EUR 9,95 bei der AGR erhältlich (Rechnung liegt der Sendung bei).
Kontakt:
Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. Postfach 103 27443 Selsingen E-Mail: info@agr-ev.de Internet: www.agr-ev.de
Tel. 04284/926 99 90 Fax 04284/926 99 91
Ansprechpartner: Detlef Detjen
Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR), Selsingen, Juli 2001 |