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„Unternehmen, die sich nicht um die Ergonomie kümmern, werden langfristig nicht bestehen“

Ulrich Kuhnt180Interview mit Ulrich Kuhnt

item Blog : Ulrich Kuhnt hat sich als Autor, Speaker und Coach auf das Thema Rückengesundheit spezialisiert.

Der Sportpädagoge ist Mitglied des Direktoriums des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen (BdR) e.V. und Inhaber der Rückenschule Hannover.

item: Der Begriff „Rückenschule“ suggeriert einen großen Lernbedarf. Steht Ergonomie in der Produktion in vielen Unternehmen nicht im Lehrplan?

Ulrich Kuhnt: Rückenschule und Ergonomie sind nicht das Gleiche. Rückenschule umfasst die Verhaltens- und Verhältnisprävention. Die Verhaltensprävention konzentriert sich auf das individuelle Verhalten von Personen. Rückenfreundliches Heben und Tragen, Durchführen von gymnastischen Ausgleichs- und Entspannungsübungen sowie regelmäßige körperliche Aktivitäten sind Beispiele für individuelle Verhaltensweisen.

Die Ergonomie gehört eher zur Verhältnisprävention. Hier wird das ergonomische und organisatorische Umfeld beleuchtet. Dazu zählen die Gestaltung von Sitz- und Steharbeitsplätzen, der Einsatz von Hebe-Tragehilfen oder der regelmäßige Wechsel der Arbeitsaufgaben. Ergonomie ist für Arbeitsmediziner, Sicherheitsfachkräfte und Arbeitsplatzgestalter ein zentraler Inhalt in der Aus- und Fortbildung.

item: Was sind laut Ihrer täglichen Erfahrung die häufigsten Probleme, die durch mangelnde Ergonomie entstehen?

Ulrich Kuhnt: Mangelnde Ergonomie zeigt sich oft in ungünstigen Zwangshaltungen beim Sitzen, Stehen, Bücken und Heben. Dies führt zu Beschwerden und langfristig auch zu Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. Neben einer Minderung von Produktqualität und Produktivität wird dadurch auch die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter beeinträchtigt.

item: Hat Ergonomie bei Werkern und Entscheidern im industriellen Umfeld immer noch mit dem Vorurteil zu kämpfen, ein Wohlfühlprogramm für Büroarbeiter zu sein?

Ulrich Kuhnt: Diese Vorurteile kann ich für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht bestätigen. Großbetriebe sind beim Thema Ergonomie sowieso schon einen Schritt weiter. Insgesamt hat sich die Sensibilität für ergonomische Maßnahmen in den vergangenen Jahren auch im industriellen Bereich erheblich erhöht. Diesen Prozess haben hauptsächlich Maßnahmen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement und die Erkenntnisse über den demografischen Wandel beschleunigt. Allerdings gibt es noch große Defizite bei der konkreten Umsetzung der vorhandenen ergonomischen Erkenntnisse.

item: Was sind die unmittelbaren und langfristigen Folgen, wenn Unternehmen sich nicht nachhaltig für ergonomische Arbeitsbedingungen einsetzen?

Ulrich Kuhnt: Die Forderung nach ergonomischen Arbeitsbedingungen ist rechtlich klar definiert im Arbeitsschutzgesetz. Ein Arbeitgeber muss sich um ergonomische Arbeitsplätze kümmern. Darüber hinaus wird ein Unternehmen, das sich nicht um die Ergonomie kümmert, langfristig am Markt nicht bestehen können. Die Krankheitstage steigen, qualifizierte Mitarbeiter machen einen großen Bogen um diese Firma, die Produktqualität und die Effizienz sinken.

item: Welche Wirkung hat ein hochwertiges Arbeitsplatzsystem auch psychologisch auf den Mitarbeiter?

Ulrich Kuhnt: Ein hochwertiges Arbeitsplatzsystem allein ist psychologisch noch nicht wirksam. Erst wenn der Mitarbeiter die Vorteile für seine Gesundheit und den Arbeitsprozess versteht, steigert sich die Arbeitszufriedenheit. Somit sollte eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung gleichzeitig mit einer umfassenden theoretischen und praktischen Schulung und Einweisung des Mitarbeiters gekoppelt werden. Er muss als Experte an seinem Arbeitsplatz beteiligt werden.

item: Warum ist es wichtig, zwischen ergonomisch effizienter und schnellerer Arbeit zu unterscheiden?

Ulrich Kuhnt: Die Forderung nach „schneller Arbeit“ ist sehr einseitig und kurzsichtig. Schnelle Arbeit kann zu Qualitätsmängeln und langfristig zu gesundheitlichen Erkrankungen führen. Ergonomisch effiziente Arbeitsplätze sind die Grundlage für Qualität, Effizienz und Gesundheit.

item: Reichen ergonomische Arbeitsbedingungen zum langfristigen Erhalt der Leistungsfähigkeit aus oder müssen wir uns ganz eigenverantwortlich mehr um unsere Rückengesundheit kümmern?

Urlich Kuhnt: Ergonomische Arbeitsbedingungen sind ein Baustein zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Weitere Bausteine sind z. B. Arbeitsorganisation, Führungsverhalten und individuelle Voraussetzungen des Mitarbeiters. Um die körperliche und geistige Fitness muss sich jede Person auch eigenverantwortlich kümmern.

item: Wie viel Zeit sollte jeder Einzelne pro Tag in die eigene Rückengesundheit investieren?

Ulrich Kuhnt: Mir geht es nicht um Minuten oder Stunden, sondern um die grundsätzliche Sensibilität und Einstellung zur eigenen Gesundheit. Jede Person sollte bereit sein, am Arbeitsplatz und in der Freizeit auf seine Rückengesundheit zu achten. Eine rückenbewusste Person achtet auf günstige Körperhaltungen, vermeidet Bewegungsmonotonie oder Zwangshaltungen, ist körperlich regelmäßig aktiv und sorgt für eine psychische Balance zwischen An- und Entspannung.

item: Inwieweit können Mitarbeiter aktiv in die ergonomische Optimierung ihrer Arbeitsplätze eingebunden werden?

Ulrich Kuhnt: Mitarbeiter sollten unbedingt in die ergonomische Optimierung ihrer Arbeitsplätze eingebunden werden. Dies kann geschehen durch das betriebliche Vorschlagswesen, Qualitätsworkshops, Ergonomie-Workshops, Gesundheitsgespräche, Arbeitssituationsanalysen, Gesundheitszirkel und Gesundheitstage. Ergonomische Schulungen mit theoretischen und praktischen Inhalten sind sehr effektiv.

item: Können Sie uns einige Ihrer Lieblingsübungen nennen, die sich effektiv in kurze Pausen oder die Routine am Morgen integrieren lassen?

Ulrich Kuhnt: Das sind meine Lieblingsübungen:

item blog bild im artikel uebungen rueckengesundheit

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Rückenschule Hannover.


Quelle: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung aus dem Blog der item Industrietechnik GmbH

item Industrietechnik GmbH
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Komfort für Kind und Eltern

Jule Studio 230Rückengesundheit von Geburt an

Die Geburt eines Kindes bedeutet für die frischgebackenen Eltern eine große Herausforderung. Denn neben der großen Freude über das neue Familienmitglied nimmt auch die Verantwortung zu und es müssen viele Entscheidungen getroffen werden. Bereits vor der Geburt sollten die wichtigsten Alltagsgegenstände wie Babyschale, Kinderwagen, Babybett und Babytrage besorgt werden. Das Angebot ist groß und die werdenden Eltern sind bei der Auswahl schnell überfordert. Meistens stehen Sicherheit und Komfort im Vordergrund. Allerdings sollten auch ergonomische Aspekte berücksichtigt werden, denn Babytrage, Kinderwagen oder Matratze beeinflussen die Rückengesundheit der Kleinsten von Beginn an. Nicht alle Produkte sind für den Kinderrücken gleichermaßen geeignet und bieten gleichzeitig eine Entlastung für den elterlichen Rücken.

Die menschliche Wirbelsäule ähnelt einem „Doppel-S“. Babys werden jedoch mit einer Wirbelsäule in C-Form geboren. Die Entwicklung hin zur doppelten S-Form erfolgt in verschiedenen Schritten und ist abgeschlossen, wenn das Kind laufen kann. Um die gesunde Entwicklung der Wirbelsäule zu unterstützen, sind ergonomische Produkte von großer Bedeutung. Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. gibt Tipps, worauf Sie achten sollten.

Bei Babyschalen und Kinderwagen auf Ergonomie setzenC kiddy agr

Rückengesundheit sollte bereits bei den Kleinsten anfangen, denn unergonomische Kinderwagen und Babyschalen können der kleinen, empfindlichen Wirbelsäule schaden. Immer wieder kritisieren Hebammen und Kinderärzte herkömmliche Babyschalen. Sie warnen davor, Neugeborene und Kleinkinder zu lange in der Babyschale zu lassen. Dennoch ist es für die Eltern wichtig, mobil zu sein. Eine positive Ausnahme bilden flexible Kinderwagen und -schalen, die sich mit nur einem Handgriff in eine ergonomische Liegeposition bringen lassen. Auch bei längeren Fahrten oder im Café und beim Einkaufen liegt das Neugeborene oder Kleinkind entspannt und flach. Bestätigt von zahlreichen Hebammen, Kinderärzten und geprüft von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V erhielten die Babyschalen von kiddy das AGR-Gütesiegel. Ebenfalls praktisch: Die AGR-zertifizierten Babyschalen und Kindersitze lassen sich schnell und einfach auf ein Gestell aufstecken und können so als Kinderwagen genutzt werden. Sowohl Kinderwagen als auch Babyschalen und Kindersitze werden nicht nur den ergonomischen Bedürfnissen des Kindes, sondern auch denen der Eltern gerecht. Deshalb sind die Produkte der Firma kiddy (www.kiddy.de) mit dem AGR-Gütesiegel ausgezeichnet.

Babytragen: Rückenfreundlich für Eltern und Baby

Das Tragen des Kindes im Tragesystem wird von vielen Eltern bevorzugt, denn nichts beruhigt kleine Kinder so sehr wie direkter Körperkontakt und der Herzschlag der Eltern. Jedoch legen Babys sehr schnell an Gewicht zu, was leicht zu Lasten des Elternrückens geht. AGR-zertifizierte Babytragen ermöglichen ein langes und ermüdungsfreies Tragen des Kindes, während das Kind in seiner natürlichen Haltung unterstützt wird. Dabei wird das Gewicht des Kindes auf die Hüfte des Tragenden verlagert und schont so den Schulter- und Rückenbereich sowie die Gelenke. Gleichzeitig wird die körperliche Entwicklung des Kindes gefördert, da die Körperhaltung von Neugeborenen in der anatomisch korrekten Anhock-Spreiz-Haltung die gesunde Hüftentwicklung unterstützt. Der Schnitt der Komforttrage stützt Rücken, Kopf und Nacken des Kindes und erlaubt der Wirbelsäule, eine natürliche Haltung einzunehmen. Um dies zu gewährleisten, hat die AGR Anforderungskriterien an Babytragen entwickelt, die von dem Ergonomie-Spezialisten Ergobaby (www.ergobaby.de) erfüllt werden. Die Komforttragen des Herstellers wurden deshalb mit dem AGR-Gütesiegel ausgezeichnet.

Rückengerecht im Schlaf

Säuglinge und Kleinkinder schlafen täglich zwischen 12 und 16 Stunden. Die Matratze hat daher eine zentrale Bedeutung für die körperliche Entwicklung des Kindes. Eine zu weiche Matratze bietet keine ausreichende Unterstützung der Wirbelsäule und behindert deren Entwicklung. Eine zu harte Matratze dagegen kann die Bildung eines Hohlkreuzes fördern. Eine Matratze sollte sich deshalb trotz des geringen Gewichts des Kindes an seinen Körper anpassen. Neben der Festigkeit ist auch eine ausreichende Belüftung entscheidend für den Kinderrücken. Viele ALVI-Matratzen (www.alvi.de) erfüllen diese ergonomischen Ansprüche und tragen deshalb das AGR-Gütesiegel.

 

Bildrechte: Alvi, kiddy

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Tags: Baby

AGR-TV Bewegtes Sitzen, auch Zuhause

 

 Sitzen gilt als einer der Hauptgründe für Rückenschmerzen. Da sich Sitzen nicht immer vermeiden lässt, sind die Sitzmöbel von entscheidender Bedeutung. Aktive Sitzmöbel ermöglichen ein Maximum an Bewegung im Sitzen, welche die Belastung erheblich verringert.

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Corporate Health Convention am 10. und 11. Mai in Stuttgart

chc2016 230Messe-Mix aus innovativer Technik, individueller Anleitung und inspirierender Ansprache

Der technologische und gesellschaftliche Wandel stellt neue Anforderungen an die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Wie Unternehmen Gesundheitsrisiken wie Dauerstress, Bewegungsmangel oder Fehlernährung in den Griff bekommen, zeigt die Corporate Health Convention am 10. und 11. Mai in der Messe Stuttgart. Neben dem Angebot von rund 150 Ausstellern bietet die Messe ein Top-Programm mit renommierten Speakern, Corporate Health Award-Gewinnern, spannenden Vorträgen und informellen Gesprächsrunden am MeetingPoint.

Rückenprobleme verursachen in Deutschland etwa 49 Milliarden Euro an Kosten pro Jahr, schätzt Tim Host, Mitbegründer des Start-ups physiosense. Zur Lösung des Problems entwickelte er mit seinem Team aus Absolventen und Studenten der FH Aachen und RWTH Aachen einen intelligenten Bürostuhl. Das Besondere daran ist die Kombination von innovativer Technik und betreuter Präventionsmaßnahme: Die hoch-auflösende Sensorik im Stuhl erstellt ein genaues Bewegungs- und Haltungsprofil des Anwenders an seinem Arbeitsplatz. Auf Grundlage der gewonnenen Daten erarbeiten Physiotherapeuten anschließend ein individuelles Präventionskonzept mit dem jeweiligen Nutzer.

Neben physiosense präsentieren insgesamt 15 Neugründungen ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen in der neuen Start-up-Area. Bereits langfristig erprobt und mit dem Gütesiegel des Corporate Health Award versehen sind hingegen die Konzepte der Teilnehmer des BGM-Praxisblock: Die Stuttgarter Straßenbahnen, die Universität Stuttgart, AbbVie und IBM präsentieren ihre ausgezeichneten Programme im Betrieblichen Gesundheitsmanagement en bloc am zweiten Messetag. Zum informellen Austausch unter Berufskollegen lädt Berater Rolf Dindorf an den MeetingPoint: An beiden Messetagen treffen sich hier netzwerk-interessierte Messebesucher zum Erfahrungsaustausch zu aktuellen Fragestellungen aus der Praxis.

Für einen spritzigen Programmauftakt an Tag zwei sorgt Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel: Die Sport-Mentaltrainerin ist seit 2014 als Corporate Health Ambassador für Betriebliche Gesundheit und Mentale Fitness aktiv und schlägt in ihren Vorträgen eine Brücke zwischen Spitzensport und Business. Weitere Informationen zur Corporate Health Convention sind unter www.corporate-health-convention.de zu finden.

Übrigens: Produkte mit dem AGR-Gütesiegel "Geprüft & empfohlen" für besonders rückenfreundliche Produkte finden Sie unter anderem auf folgenden Ständen:

  • medi GmbH & Co. KG - Halle 4 Stand C.13
  • Sedus Stoll AG - Halle 4 Stand C.47
  • Steitz Secura GmbH + Co. KG - Halle 4 Stand D.38

 

Kompakt:

6. Corporate Health Convention
Europäische Fachmesse für betriebliche Gesundheitsförderung und Demografie
Messe Stuttgart, Halle 4
10. bis 11. Mai 2016
www.corporate-health-convention.de

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Schmerzfrei Radfahren

Fahrrad online 260 kopieDie individuelle Anpassung gewinnt beim Fahrrad an Bedeutung

Mit dem Frühling erwacht auch die Lust am Radfahren. Fahrradfahren ist gesund und umweltfreundlich, doch können Schmerzen die Radlust gehörig verderben. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben die Sicht auf das rückengerechte Fahrrad verändert.

Die Fahrradtechnik hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht. Licht, Schaltung, Federung, Bremsen und Bereifung haben sich in ihrer Funktionalität stark verbessert, zudem hat die Elektro-Unterstützung in nahezu allen Radgattungen Einzug gehalten. Mit diesem Entwicklungsschub hat sich auch das Verständnis von rückengerechter Ergonomie am Fahrrad gewandelt. Während noch vor wenigen Jahren vor allem Konstruktionsprinzipien wie Vollfederung oder geringes Gewicht im Vordergrund standen, rückt nun der individuelle Radfahrer in den Blickpunkt. „Die Fahrradtechnik ist ausgereift“, erklärt Detlef Detjen, Geschäftsführer der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V.

„Für schmerzfreies Radfahren sind heute die richtige Auswahl und die individuelle Justage des Rades entscheidend. Es geht darum, mit Blick auf Ergonomie und Rücken für die individuellen Stärken und Schwächen des Radfahrers eine technische Entsprechung zu finden und passgenau einzustellen“, so Detjen weiter.

Dies ist ein entscheidender Perspektivwechsel: Die Kompetenz für schmerzfreies Radfahren verschiebt sich vom Radhersteller zum Radhändler, ähnlich wie im Radsport. Hier ist das sogenannte „Bike Fitting“, also das individuelle Anpassen des Rades, seit Langem etabliert und gilt neben Training und Aerodynamik als wichtigster Leistungsfaktor. „Freilich geht es dem Alltagsradler nicht um Leistungsentfaltung – aber um beschwerdefreies Radfahren und dafür lassen sich Erkenntnisse aus dem Radsport adaptieren“, erläutert Detjen. Als ein gutes Beispiel kann die Haltung beim Radfahren gesehen werden. Lange galt eine maximal aufrechte Rückenhaltung mit S-Form der Wirbelsäule als Ideal, wie sie am Hollandrad zu sehen ist. Diese Haltung verlangt aber fast zwangsläufig nach einer Vollfederung, um die Belastungsspitzen durch Schlaglöcher für den Rücken zu reduzieren. Ist die Haltung jedoch leicht nach vorne gebeugt, bekommt die Rückenmuskulatur eine Vorspannung, die wichtige Stützarbeit übernimmt und dadurch viel Komfort schafft.

Was rückengerechte Technik ist, entscheidet also nicht allein der Radhersteller, sondern auch die individuelle (Rücken-)Konstitution. Die generelle Aussage, „dieser Radhersteller ist rückengerecht“, ist kaum mehr haltbar und entsprechend zertifiziert die Aktion Gesunder Rücken gegenwärtig keine Fahrräder mehr. In Zukunft wird ein rückenkompetenter Händler aus dem vielfältigen Angebot an Fahrradmarken und -modellen das für den jeweiligen Kunden individuell rückengerechte auswählen und anschließend passend einstellen bzw. um geeignetere Komponenten ergänzen.

„Die perfekte Ergonomie des Fahrrades kann auch nicht losgelöst von fahrdynamischen Aspekten gesehen werden“, betont Fahrradexperte Gunnar Fehlau vom pressedienst fahrrad. „Was nützt ein perfekt passendes Rad, das sich nicht gut steuern lässt? Nur ein kompetenter Händler kann die wechselseitige Abhängigkeit von ergonomischer Positionierung und Fahrverhalten/-dynamik überblicken und bei Konflikten auf eine Balance hinarbeiten“, erklärt Fehlau.

Was bleibt: Der Sattel zählt

Während angesichts der ergonomischen Anpassungsvielfalt die Grundgestaltung des „Basisrades“ eine gewisse Beliebigkeit erfährt, bleibt der Sattel im Mittelpunkt der Betrachtung. Das hat laut Detlef Detjen einen schlichten Grund: „An keinem anderen Kontaktpunkt zum Rad gibt es mehr Probleme als beim Sattel und Fahrradhersteller haben das Dilemma, einen Sattel mit dem Fahrrad liefern zu müssen, ohne exakt zu wissen, wer eigentlich auf dem Rad sitzen wird.“ Als Konsequenz werden meist vergleichsweise günstige Sättel montiert, was das Problem verschärft.

Wie einfach sich der richtige Sattel fürs Fahrrad finden lässt, zeigt der italienische Hersteller Selle Royal. Dieser hat zusammen mit der Deutschen Sporthochschule Köln für die Sattelserie „Scientia“ ein Messsystem entwickelt, das speziell auf Alltagsradler abgestimmt ist. Es funktioniert zweistufig. Im ersten Schritt wird die Sitzknochenbreite durch Sitzen auf einem speziellen Hocker mit Gelkissen bestimmt. Im zweiten Schritt stuft man die eigene Haltung auf dem Rad ein („relaxed“, „moderate“ oder „athletic“). Aus drei Kategorien für die Sitzknochenbreite und den drei verschiedenen Sitzpositionen ergeben sich neun Konstellationen, für die es je einen passenden Sattel gibt. Unterschiedliche Modelle für Damen und Herren sucht man vergeblich, ebenso wie Sättel mit Löchern oder ähnlichen Aussparungen. „Unsere Forschungen haben ergeben, dass die Unterschiede der Geschlechter nur bei sehr sportlichen und damit flachen Haltungen auf dem Rad relevant sind“, erklärt Monica Savio von Selle Royal. Auch Löcher haben sich in Tests eher als schmerzförderlich erwiesen. „Freilich reduziert sich der Druck an der Aussparung, dafür erhöht er sich auf dem restlichen Sattel und die Kanten sind besonders kritisch“, so Savio.
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Neue Ursachen bei Rückenschmerzen

BLACKROLL by SebastianSchoeffel 260Faszien unter Verdacht

Die am häufigsten auftretende Einzeldiagnose des Muskel-Skelett-Systems sind nach wie vor Rückenschmerzen und verursachen erhebliche Fehlzeiten in Betrieben. Fast jeder erfährt diesen Schmerz im Verlauf der Lebensjahre. Bei einigen verschwindet er wieder nach kurzer Zeit, bei anderen bleibt er länger. Die genauen Ursachen und Auslöser sind nicht immer eindeutig feststellbar und selbst viele Muskel-Skeletterkrankungen sind nicht unmittelbar für den Rückenschmerz verantwortlich. Oft tappt man im Dunkeln. Nach neueren Untersuchungen rückt die Faszie verstärkt in den Verdacht bei Rückenschmerzen eine zentrale Rolle zu spielen.


Rückenschmerz = Bandscheibenprobleme?

Sicherlich hat jeder schon mal ein Ziehen oder Drücken im Rücken verspürt und war froh wenn es wieder verschwand. Doch bei Vielen bleibt der Rückenschmerz länger und schränkt sie im Alltag und im Beruf erheblich ein. Doch was tun, wenn der Schmerz bleibt? Irgendwo liegt eine Störung in dem Gefüge von Muskeln, Sehnen, Gelenken, Wirbelknochen und Bandscheiben vor. Ein erster Verdacht gilt oft der Bandscheibe. Berechtigt? Wenn man sich die Datenlage und Expertenmeinungen anschaut, ist die Bandscheibe für eine geringe Anzahl von etwa 20% der Rückenschmerzen verantwortlich. Bei 80% kann meist keine eindeutige Ursache festgestellt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst wenn die Bandscheibe verformt ist (Vorwölbung) oder gerissen und die gallertartige Kernmasse austritt (Vorfall), kann nicht immer eine eindeutige Kausalität zu dem Symptom Rückenschmerz angenommen werden. Ursachen sind meist sehr vielfältig und von mehreren Aspekten abhängig. Auslöser können eine körperliche Veränderung sein und Belastungen oder seelische Anspannung. Seitdem verstärkt zu Faszien geforscht wird, tritt das Bindegewebe in den Vordergrund. Trotz noch nicht abgesicherter Erkenntnisse häufen sich die Hinweise, dass die Faszie eine bedeutende Rolle bei Rückenschmerzen spielt.

Welche Bedeutung haben Faszien?

Die Faszien sind das Bindegewebe, das in einem Netzwerk unseren gesamten Körper durchdringt und ihn formt. Zudem ist es das größte Sinnesorgan und enthält einen erheblichen Anteil an Rezeptoren. Diese Messfühler empfangen und leiten Reize weiter. Die gesunde Faszie ist sehr elastisch und besteht aus Kollagenfasern. Diese haben eine geordnete Struktur aus verschiedenen kreuzenden Faserrichtungen, die in vielen Schichten aufeinander gleiten.

Unterschiedliche fasziale Ursachen

Probleme und Schmerzen entstehen meist dann, wenn diese Ordnungsstruktur zunehmend chaotischer wird und der Gleitmechanismus dadurch gehemmt wird. Die Faszien verkleben, verfilzen und werden anfälliger für Risse. Diese immense Änderung der Faszienstruktur kann unterschiedliche Ursachen haben. Vieles Sitzen, länger andauernde einseitige Körperhaltung und Bewegungsmangel hat auf die Faszien einen negativen Einfluss. Es fehlt der mechanische Reiz durch Krafttraining, Dehnübungen oder Massage, die durch einen Therapeuten oder mit Faszienrollen in Eigenregie bewirkt werden kann. Ein weiterer Grund kann in der Überbeanspruchung der Faszien liegen. Wer verstärkt körperlich arbeitet, viele Lasten heben muss und lange in vorgebeugter Haltung verbringt, leiert seine Rückenfaszie aus. Die Regenerationszeit bis zum nächsten Arbeitstag reicht meist nicht aus, damit die nötige Spannung im Bindegewebe wiederhergestellt wird. Bei Operationen wird die Faszie durchtrennt, die verletzte Körperregion wird in den meisten Fällen eine Weile ruhig gestellt. Gerade hierbei verkleben die Kollagenfasern und bilden chaotische und somit minderwertige Cross-Links. Diese ungünstigen strukturellen Veränderungen begünstigen Mikrorisse in den Faszien und beschädigen die in den Faszien enthaltenen Rezeptoren, die wiederum Fehlinformationen sowie Schmerzreize weiterleiten. Die neuromuskuläre Koordination wird behindert und es entstehen Kompensations- und Fehlbewegungen. Viele meiden in diesem Zustand Bewegung und Sport. Ein Teufelskreislauf entsteht.

Hinweise bei chronischen Rückenschmerzpatienten

Untersuchungen an der Lendenfaszie von chronischen Rückenschmerzpatienten (Dittrich 1956, Bednar 1995) geben starke Hinweise, dass die Faszie eine ursächliche Rolle bei Rückenschmerzen spielt. Sie enthält kleine Risse und Entzündungen, stellenweise ist das Gewebe verfilzt und an anderen Stellen viel zu dünn. Diese können bei einer Vorbeugung zusätzlich reißen. Denn die Lendenfaszie unterstützt beim Heben einer Last den Rückenstreckermuskel und ersetzt gelegentlich dessen Haltearbeit. Diese Funktion ist bei Rückenschmerzpatienten oft gehemmt und sollte durch gezieltes Training wiederhergestellt und erhalten bleiben. Mehrere Faktoren müssen bei einer ganzheitlichen Rückenschmerztherapie berücksichtigen. Sich auf eine einzige Ursache zu fixieren und nur diese zu behandeln ist in vielen Fällen auf Dauer nicht erfolgsversprechend. Zu multifaktoriell sind die Ursachen und verlangen nach einer multimodalen Therapie bei der eine Operation das letzte Mittel der Wahl sein sollte. Wenige Ausnahmen wie das Auftreten von Lähmungserscheinungen sind vertretbar.

Faszientraining als sinnvolle Ergänzung

Am Besten heilen und beugen Sie Rückenschmerzen vor, indem Sie sich regelmäßig bewegen und gezielt sowie funktionell ihre Muskeln und Faszien trainieren. Vor allem das Faszientraining sollten Sie in Ihr Trainingsprogramm als Ergänzung aufnehmen und die verschiedenen Trainingsprinzipien ausprobieren. Fangen Sie zunächst mit dem Dehnen in langen Ketten an und führen Eigenmassagen durch geeignete Faszienrollen und -bälle durch. Lassen Sie sich beim Myofascial Release mit der Rolle durch den zu Beginn stärker auftretenden Wohlweh nicht entmutigen und fangen ggf. mit einer weicheren Rolle an. Wenn Sie belastbarer sind, können Sie federnde Bewegungen im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus trainieren um mehr Spannkraft in den Faszien zu generieren. Bevor Sie als rückenschmerzgeplagter loslegen, sollten sie eine Untersuchung bei Ihrem Arzt veranlassen und sich von einem ausgebildeten Trainer die richtige Ausführung der Übungen zeigen lassen. Weitere Informationen unter www.agr-ev.de/faszienbehandlung.

Ein Gastbeitrag von Daniel Przybilla / Diplom-Sportwissenschaftler / Functional Myofascial Trainer

Kontaktdaten:
Daniel Przybilla
Diplom-Sportwissenschaftler

PreHelco
Melatengürtel 119a
50825 Köln
Mobil: 0177 275 9012
E-Mail: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Web: www.prehelco.de

Infos Daniel Przybilla:
Er arbeitet seit ca. 10 Jahren als Sporttherapeut und Fitness-Trainer in der orthopädischen Rehabilitation und im Fitness Sektor. Zusätzlich veranstaltet er regelmäßig Workshops zum Faszientraining.

Bild: Blackroll/Sebastian Schöffel

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Tags: Faszien

Nachlese Tag der Rückengesundheit 2016

Experten 2016 260Bilder vom Expertenworkshop in Recklinghausen online

Das diesjährige Motte des Tags der Rückengesundheit lautete: Ergodynamik – bringen Sie Ihren Alltag in Bewegung!

Ergodynamik verbindet Ergonomie und Dynamik. Dabei steht Ergonomie für die menschengerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen nach arbeitswissenschaftlichen Prinzipien und Dynamik zielt auf die Förderung von Bewegung.

Das Motto des Tages der Rückengesundheit 2016 sorgt in den genannten Settings und in der breiten Bevölkerung für ein erweitertes Verständnis von Ergonomie. Nach herkömmlicher Vorstellung ist ein Arbeitsplatz dann ergonomisch und somit rückenfreundlich, wenn korrekte, bzw. richtige Körperhaltungen eingenommen werden können. Diesen einseitigen Aspekt von physiologischen Arbeitshöhen, Greifräumen oder Bürostühlen ergänzt Ergodynamik um möglichst viel Haltungswechsel und Bewegung.

Ergodynamische Programme verknüpfen somit besonders effektiv die Aspekte Ergonomie, Bewegungsschulung und körperliche Aktivität.

Expertenworkshop am 5. März 2016 in Recklinghausen

Als Auftaktveranstaltung diente auch 2016 ein Expertenworkshop - durchgeführt im Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg Recklinghausen. Mehr als 140 Teilnehmer folgten unserer Einladung.

Die Bilder aus Recklinghausen finden Sie in unserer Galerie.

 

Wie bedanken uns bei allen Veranstaltern, Aktionsteilnehmern und Unterstützern und freuen uns auf den Tag der Rückengesundheit 2017!

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