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Bewegungsarmut macht Kinder krank

Familie BewegungBild: Fotolia Anatoliy SamaraEltern müssen mehr sensibilisiert werden

Eine gesundheitliche Zeitbombe: Im Vergleich zu früheren Generationen ist für die heutige Kindheit vor allem Bewegungsarmut charakteristisch. Weniger als die Hälfte (43 Prozent) der sechs- bis zwölfjährigen Kinder erfüllen die Minimalanforderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von zumindest 60 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität pro Tag. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für Gesundheit und Bewegung der Deutschen Sporthochschule unter Leitung von Prof. Ingo Froböse.

Ein wesentlicher Grund für den weit verbreiteten Bewegungsmangel ist das Mediennutzungsverhalten. Nach Angaben der Eltern sitzen 60 Prozent der Kinder länger als eine Stunde täglich vor dem Tablet, PC oder der Spielkonsole. Als Folgen des Defizits an körperlicher Aktivität muss laut Prof. Froböse vor allem mit einer zunehmenden Anzahl an stark übergewichtigen Kindern sowie ansteigenden Muskel- und Haltungsschwächen bei der heranwachsenden Generation gerechnet werden. Außerdem ist von Einbußen der Konzentrationsfähigkeit und vermehrten Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern auszugehen. Prof. Froböse fordert deshalb, je jünger das Kind ist, desto mehr sind auch die Eltern in der Pflicht, sowohl Möglichkeiten als auch Anreize zur Bewegung ihrer Sprösslinge zu schaffen. „Am besten gehen Eltern gleich mit gutem Beispiel voran und werden gemeinsam mit ihren Kids aktiv. Das erhöht den Spaßfaktor beim Kind und verschönert das Familienleben.“

Generell müssen Eltern mehr dafür sensibilisiert werden, dass ein bewegungsfreudiger Lebensstil die tragende Säule für eine gesunde Entwicklung ihres Nachwuchses bildet. Während jedoch die Bedeutung einer ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung in der Öffentlichkeit kontinuierlich thematisiert wird, kommt der Stellenwert von körperlicher Aktivität hierbei oft noch viel zu kurz. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick auf die zunehmende Übergewichtsproblematik bei Kindern. Dabei kann sich jeder selbst schlicht die Frage beantworten: Kennen Sie ein bewegungsaktives Kind, das zu dick ist? Zu fast 100 Prozent dürfte die Reaktion negativ ausfallen. Anregungen und Tipps von Experten, wie Eltern ihre Kinder in Schwung bringen können, gibt z. B. das gleichnamige Ratgeber-Portal www.komm-in-schwung.de.

Quelle: Pressemitteilung Komm' in Schwung

 

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Stillsitzen war gestern

AGR moll 260Schreibtische für Kinder sollten vielfältig verstellbar sein. Bild: AGR/mollWarum bewegtes Sitzen für den Kinderrücken so wichtig ist

Fast alle Kinder erwarten den ersten Schultag voller Vorfreude und Ungeduld – schließlich ist die Einschulung ein ganz besonderer Tag für sie, an dem sie sich groß und stolz fühlen können. Am meisten freuen sich die Schulanfänger darauf, in der Schule endlich lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Doch es gibt noch etwas, das sie lernen müssen, obwohl es auf keinem Stundenplan steht: das viele Sitzen. Keine leichte Aufgabe für die ABC-Schützen. Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. zeigt, wie Schulkinder richtig sitzen – und warum ein Ausgleich dazu wichtig ist.

Schulunterricht findet bereits in den ersten Klassen die meiste Zeit im Sitzen statt. Dabei ist Sitzen, und das ist mittlerweile hinlänglich bekannt, auf Dauer eine Belastung für den Körper – insbesondere für den Rücken. Bei Kindern trifft dies umso mehr zu, denn die kindliche Wirbelsäule muss sich erst noch entwickeln und wird beim Sitzen oft in eine unnatürliche Haltung gezwungen. Dazu kommt: Kinder sind gar nicht in der Lage, für längere Zeit still zu sitzen und konzentriert zu sein: Je jünger das AGR VS 260Tisch und Stuhl bilden eine ergonomische Einheit. (Bild: AGR / VS)Kind desto größer ist sein natürlicher Bewegungsdrang. Dies bestätigt auch Dr. Dieter Breithecker, Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung: „Fünf- bis neunjährige Kinder können höchstens fünf Minuten lang konzentriert still sitzen und selbst bei 13- bis 18-Jährigen sind es nur rund 15 bis 20 Minuten.“ Die Realität sieht allerdings häufig anders aus: Nachmittagsunterricht gehört bereits in der Grundschule zum ganz normalen Alltag. Umso wichtiger ist es, dass die Sitzmöbel kindgerecht sind – und das bedeutet vor allem eines: Dass Bewegung und Sitzen sich nicht ausschließen.

Bewegtes Sitzen stärkt den Rücken
Dies gelingt vor allem durch bewegliche Elemente in Sitzfläche und Rückenlehne. Was das sogenannte „aktive“ oder „bewegte“ Sitzen bewirkt, ist beachtlich: „Muskeln und Gehirn werden besser durchblutet, der Rücken wird dynamisch be- und entlastet, das Wohlbefinden und die Konzentrationsfähigkeit steigen merklich“, so Breithecker.

Moizi Kindermöbel 260Nicht nur in der Schule, auch bei den Hausaufgaben ist das Konzept des bewegten Sitzens wichtig. Wenn Eltern zum Schulstart einen neuen Schreibtisch und passenden Stuhl kaufen, sollten sie deswegen auf das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken achten. Das renommierte Siegel wird nur an ausgewählte Produkte verliehen, die von einem unabhängigen Expertengremium als besonders rückengerecht bewertet werden. Um mit dem Siegel ausgezeichnet zu werden, müssen Kindermöbel wie Stühle und Schreibtische zahlreiche Kriterien erfüllen. Am wichtigsten sind vielseitige Verstellmöglichkeiten, damit die Möbel mit dem Kind „mitwachsen“ und individuell angepasst werden können. Außerdem können Stuhl und Schreibtisch so eine voll verstellbare Einheit bilden. Folgende Konzepte sind ergonomisch und kindgerecht:

  • Bei den Sitzarbeitsplätzen der Firma VS – Vereinigte Spezialmöbelfabriken (www.vs.de) sind die AGR-zertifizierten Stühle mit patentierter dreidimensionaler Wippmechanik, Seitwärtsneigung und Federung ausgestattet und ermöglichen so bewegtes Sitzen. Die Tische des AGR aeris 210Bewegung und Sitzen sind kein Widerspruch (Bild: AGR / aeris)Herstellers sind in der Höhe und in der Neigung der Arbeitsplatte einstellbar und wurden deswegen ebenfalls mit dem Gütesiegel der AGR ausgezeichnet.

  • Die stabilen Kinderdrehstühle des Herstellers moll Funktionsmöbel (www.moll-funktion.com) verfügen über einen Stoßdämpfer und sind in Sitztiefe, -höhe und in der Lehnenhöhe verstellbar. Schreibtische mit vielen Verstell- und Anpassungsmöglichkeiten vervollständigen den Kindgerechten-Arbeitsplatz mit AGR-Gütesiegel.

  • Die Firma Moizi (www.moizi.de) begünstigt „beschwingtes“ Sitzen durch Schreibtischstühle, die mit leicht geschwungenen Kufen ausgestattet sind. Ein Dämpfungssystem ermöglicht auch seitliche Bewegungen – die Rückenmuskulatur wird dadurch kontinuierlich gefordert. Ein Schreibtisch, der durch seine Erweiterungsmöglichkeiten und Höhenverstellung bis zum Erwachsenenalter mitwächst, rundet den AGR-zertifizierten Kinder-Arbeitsplatz ab.

  • Beweglich nach vorne und hinten, nach oben und unten und zu allen Seiten: Das ermöglicht der Aktiv-Kinderdrehstuhl swoppster von aeris (www.aeris.de), der für sein 3D-Sitzkonzept mit dem AGR-Gütesiegel ausgezeichnet wurde. Stillsitzen gehört mit diesem Sitzmöbel der Vergangenheit an – was sich sowohl auf die Wirbelsäule als auch auf die die Konzentrationsfähigkeit der Kinder positiv auswirkt.

Bewegtes Sitzen und aktiver Alltag
Genauso wichtig wie die richtigen Sitzmöbel ist ein aktiver Ausgleich zum Sitzen. Das betont auch Dr. Breithecker: „Viele Kinder sitzen leider nicht nur in der Schule und bei den Hausaufgaben, sondern auch in der Freizeit, etwa vor dem Fernseher, der Spielkonsole oder dem Computer. Dabei ist regelmäßige, in den Alltag integrierte Bewegung für eine gesunde Entwicklung der Wirbelsäule unverzichtbar.“ Egal, ob beim Spielen mit Freunden oder beim Sport; wenn Kinder sich gerne bewegen, sollten Eltern das auch unbedingt fördern. Denn durch Bewegung wird der Rücken gekräftigt und die Wirbelsäule von Kindern kann sich gut entwickeln.
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Étiquettes: Kinder, Schule

Kinder- und Jugendsport im Umbruch

Kinder-und Jugendsportbericht TrendsportTrendsport - Bild: ©Getty Images/Martin DimitrovErgebnisse des "Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsport­berichts"

Essen, 14. August 2015. Bewegung, Sport und Spiel gehören seit jeher zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. 96 Prozent aller befragten Jugendlichen über zwölf Jahre gaben 2013 in einer Studie des Deutschen Jugendinstituts an, mindestens einmal über längere Zeit hinweg regelmäßig Sport getrieben zu haben. Ob sie im Verein aktiv sind oder im Fitness-Studio, ausschließlich Schulsport betreiben oder sich zum Fußballspielen und Radfahren mit Freunden treffen - Heranwachsende haben einen natürlichen Bewegungsdrang, den die meisten mit Leidenschaft ausleben. Wie sehr sich jedoch ihr Zugang zum Sport und die Formen des ausgeübten Sports in den letzten Jahren verändert haben, zeigt der "Dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht", der von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung initiiert wurde. Die eindeutige Aussage des Berichts lautet: Der Kinder- und Jugendsport in Deutschland befindet sich im Umbruch.

Für den 640-seitigen Bericht haben Sportwissenschaftler, Pädagogen, Sportmediziner und Sportsoziologen den Wandel des Sportengagements bei Heranwachsenden untersucht. Dabei stellten sie fest: Ein Teil dieser Entwicklungen erfolgt als Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen, ein anderer entsteht aus sportinternen Entwicklungen heraus. Die neuen Rahmenbedingungen bewirken, dass auch der Kinder- und Jugendsport neue Wege geht. Dieser fortschreitende Prozess des Umbruchs kann mit ausreichend Engagement aller Beteiligten in richtungsweisende Bahnen gelenkt werden.

Die Auswirkungen von Ganztagsschule und Gymnasium G8

Eines der Hauptthemen des Berichts ist das Zusammenspiel von Sport und Schule. Sport ist nach wie vor sowohl das beliebteste Unterrichts­fach als auch die beliebteste Freizeitaktivität von Kindern und Jugendlichen: Etwa 80 Prozent nennen in Befragungen sportbezogene Hobbys. Diese erfüllen in besonderem Maß ihr Bedürfnis nach Anerkennung, Gemeinschaft und einem starken Selbstwertgefüh. Durch Veränderungen im Bildungswesen wie die Etablierung von Ganztags­schulen und die Verkürzung der Gymnasialschulzeit auf acht Jahre (GS) verbringen die Kinder jedoch heute mehr Zeit als früher in schulischen Einrichtungen und beim Lernen am heimischen Schreibtisch. Sportliche Aktivitäten im Verein am schulfreien Nachmittag gehören für viele Heranwachsende der Vergangenheit an. Das führt verbreitet dazu, dass sie sich weniger bewegen, was insbesondere Sportmediziner alarmiert. Sie weisen in dem Bericht auf die gesundheitlichen Kurz- und Langzeitfolgen hin, die direkt mit Bewegungsmangel im Zusammenhang stehen.

Um diesen Risiken entgegenzuwirken, kooperieren Ganztagsschulen und Sportvereine bereits vielfach und schaffen ein Angebot im Schnittfeld von Schulsport und Vereinstraining. Etwa jedes dritte Ganztagsangebot ist ein Sportangebot Ziel ist, die weitere Reduktion von Bewegung, Sport und Spiel zu verhindern und diese Faktoren stattdessen verstärkt in den Tagesablauf der Schüler zu integrieren. Doch noch begegnen sich Schule und Verein selten auf Augenhöhe, um gemeinsame Zielsetzungen zu vereinbaren. Nach Meinung der Experten lässt sich daher das pädagogische Entfaltungspotenzial der Ganztagsangebote weiter optimieren und die Zusammenarbeit von Schule und Verein intensivieren.

Soziale Ungleichheiten durch Sport überwinden

Der "Dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht" beleuchtet auch soziale Ungleichheiten und deren Manifestation im Sport. Fastjeder dritte Heranwachsende stammt heute aus einem Elternhaus, das von Armut bedroht ist, in dem die Eitern arbeitslos sind oder keine ausreichenden Schulabschlüsse besitzen. Diesen Kindern bleibt der Zugang zu vielen erstrebenswerten sozialen Gütern verbaut. Die materiellen Einschränkungen, denen sie unterworfen sind, führen in der Regel zu großen Nachteilen bei der Teilhabe an Bildungschancen, der Gesundheitsfürsorge und kulturellen Angeboten. ln diesem Zusammenhang untersucht der Bericht unter anderem die Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe, die ohne Sport kaum noch vorstellbar wäre. Sie wirkt in zweierlei Hinsicht auf die Kinder und Jugendlichen: zum einen als eine Sozialisation für den Sport und zum anderen als eine Sozialisation durch den Sport. Das Gemeinschaftserlebnis animiert die Kinder zum Mitmachen, sie können Kontakte zu Gleichaltrigen aufbauen, und ihr Selbstwertgefühl stärken.

Multikulturelles Miteinander im Sport

Alle sprechen über das Integrationspotenzial des Sports, doch zu wenige erkennen, dass Integration durch Sport kein Automatismus ist. Sport eignet sich hervorragend als Medium, um die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erreichen. Sie können durch Sport mehr Lebensfreude erfahren und eine bessere Selbsteinschätzung entwickeln. Auch Kleinkinder können schon im Alter von zwei oder drei Jahren von bewegungsbezogener Sprachförderung profitieren und leichter die deutsche Sprache erlernen, die oft nicht zuhause gesprochen wird.

Allerdings stellt der Dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht ebenso fest, dass es dem Sport noch an zielgerichteten pädagogischen Konzepten für Integrationsarbeit mangelt. Gemeinsames Fußballspielen oder Krafttraining münden nicht ohne weiteres in einen erfolgreichen lntegrationsprozess. Um die benötigten pädagogischen Konzepte zu erarbeiten und erfolgreich umzusetzen, müssten Sportvereine und Migrantenorganisationen jedoch zukünftig verstärkt zusammenarbeiten, so die Wissenschaftler. Zudem sollte der organisierte Sport noch aktiver, früher und mit niedrigschwelligen, lokalen Angeboten auf die betroffenen Familien zugehen. Nur dann, glauben die Experten, kann die integrative Kraft des Sports auch tatsächlich genutzt werden.

Leistungssport im Jugendalter: chronische Überbelastung kann Jugendliche gefährden

Kaum eine Sportszene hat so großen Einfluss auf die Wahrnehmung des Sports in der breiten Öffentlichkeit wie der Leistungssport. Die Wurzel für eine Sportkarriere in der internationalen Spitze wird in den meisten Sportarten bereits in der Kindheit oder in der Pubertät gelegt. Der Leistungssport stellt jedoch schon früh hohe, vielfach zu hohe Anforderungen an die Teilnehmer- bezüglich der Trainingsdauer sowie der physischen und der psychischen Dauerbelastung. Je nach Sportart müssen junge Athleten bis zu 35 Stunden Training pro Woche absolvieren. Dazu kommen in der Regel 34 Stunden Schule und im Ganztag nochmals mehr als zehn weitere Stunden. Jugendliche Leistungssportler haben somit über einen langen Zeitraum erhebliche Überbelastungen zu tragen. Dies gilt insbesondere für Kraft-/ Ausdauersportarten wie Schwimmen, Rudern oder Kanu sowie für kompositorische Sportarten wie Turnen und Gymnastik. Viele Sportmediziner sind alarmiert darüber, dass in den Leistungssport eingebundene Jugendliche häufig körperliche und psychische Probleme ausblenden und verdrängen, um nicht zurückzufallen oder gar ihre Förderung zu verlieren. Essstörungen sind im Leistungssport bei Heranwachsenden überproportional häufig zu beobachten. Die Wissenschaftler werfen daher in dem Bericht die Frage auf, ob die Anforderungen des Leistungssports an Kinder und Jugendliche in der jetzigen Form überhaupt noch verantwortbar sind.

Sexualisierte Gewalt im Sport

Der "Dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht" wagt sich auch an ein Thema heran, das in der Sportweit immer noch stark tabuisiert wird: sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Die Wissenschaftler äußern daher in dem Bericht die Erwartung, dass sich der organisierte Sport der Problematik zukünftig intensiver als bisher annimmt und eine Kultur der Achtsamkeit im Sport fördert. Insbesondere sei es wichtig, alldiejenigen Personen besser zu qualifizieren, die mit Heranwachsenden im Sport zu tun haben. Die Frage, wie dem Problem der sexualisierten Gewalt wirkungsvoll begegnet werden kann, müsse fester Bestandteil der Aus- und Fortbildung von Übungsleitern, Trainern sowie Verantwortlichen in den Vereinen und Verbänden werden.

Trendsport in der Jugendszene

Besonders populär und mit der Aura der Insider-Szene umgeben ist der Trendsport- ein spannender Bereich, der sich in zahlreichen Aspekten vom übrigen Sport in Deutschland unterscheidet. ln seiner Vielfalt von Sportarten ist er zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Sport­ und Bewegungskultur von Heranwachsenden geworden. Ständiges ln­ Bewegung-Sein und eigenwillige Ausdrucksformen prägen dabei das Bild. Der Trendsport in allseinen Formen zeichnet sich durch den Hang zur Selbstinszenierung und die permanente Erlebnissuche aus- offline sowie online. Jugendliche Trendsportler stehen im ständigen multi­-medialen Austausch mit Gleichgesinnten. Die Kommunikation über die eigenen sportlichen Aktivitäten ist zum integralen Bestandteil des Sports geworden und dokumentiert das besondere Lebensgefühl des Trendsportlers. Daran knüpft auch die mediale Vermarktung der Trendsportarten durch Sponsoren, Werbewirtschaft und Jugendmedien an. Zu jeder Trendsportart gehört eine Szene, in der eigene Rituale und Bedeutungen vorherrschen ebenso wie ein eigener Stil und eine eigene Sprache. Durchall diese Eigenarten unterscheidet sich der Trendsport grundlegend von den herkömmlichen, historisch gewachsenen Sportszenen. Insbesondere für Sport- und Medienwissenschaftler bietet der Trendsport noch ein weites Feld für die Forschung.

Paradoxe Lage des deutschen Kinder- und Jugendsports

Der Kinder- und Jugendsport in Deutschland steht vor einer paradoxen Situation: Obwohl die Sportszenen sich weiter ausdifferenzieren und immer neue Sportangebote hinzukommen, leiden Kinder und Jugendliche immer stärker unter BewegungsmangeL Die Kinder sitzen häufiger und länger im Unterricht oder über ihren Hausaufgaben; gleichzeitig wird der Sportunterricht in der Schule reduziert. Mediziner beobachten zunehmend gesundheitliche Probleme bei Kindern und Jugendlichen, wie Koordinationsstörungen, Haltungsschäden oder Übergewicht. Hier müssen Schule, Vereine und Politik gemeinsam Lösungen finden.

Ein Blick über den Tellerrand hinaus zeigt, dass auch in anderen Ländern ähnliche Schwierigkeiten bestehen wie in Deutschland. Um Sport und Spiel für Kinder so attraktiv wie möglich zu gestalten, hat daher Norwegen die "Kinderrechte des Sports" eingeführt, welche die Verbände und Vereine zu besonders achtsamem Umgang mit Heranwachsenden verpflichten. Dazu gehören unter anderem: ein sicheres Trainingsmilieu; Sorge um das Wohlbefinden der Kinder gemäß ihrem Alter und ihrer körperlich-seelischen Entwicklung; Mitspracherecht und Wahlfreiheit der Kinder; Relativierung der Bedeutung von wettkampfmäßig betriebenem Sport. Viele Experten sehen in dem norwegischen Modell einen Ansatz, der auch in Deutschland ernsthaft diskutiert werden sollte.

Insgesamt zeichnet der "Dritte Deutsche Kinder- und Jugendsport­bericht" ein klares Bild der aktuellen Umbruchsituation im Kinder- und Jugendsport in Deutschland und gibt für die Praxis eindeutige Handlungsempfehlungen.

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist das Vermächtnis von Dr.-lng. E.h. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, dem letzten persönlichen Inhaber der Firma Fried. Krupp. Mit seinem Tod am 30. Juli 1967 und Dank des Erbverzichts seines Sohnes Arndt von Bohlen und Halbach ging sein Vermögen auf die Stiftung über.

Die Stiftung ist als Aktionärin mit 23,03%  an der ThyssenKrupp AG beteiligt. Sie hat insbesondere die Aufgabe, die ihr aus ihrer Unternehmensbeteiligung zufließenden Erträge für gemeinnützige Zwecke in den Bereichen Wissenschaft, Erziehung und Bildung, Gesundheitswesen, Sport und Kultur zu verwenden. Seit Aufnahme ihrer Tätigkeit im Jahre 1968 hat sie hierfür rund 630 Mio. Euro aufgewendet.

Buchhinweis

"Dritter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht - Kinder und Jugendsport im Umbruch"
Herausgegeben von Werner Schmidt (Gesamtleitung).
Nils Neuber, Thomas Rauschenbach, Hans Peter Brandi-Bredenbeck, Jessica Süßenbach und Christoph Breuer
Hofmann-Verlag 2015 (Bestellnummer 891 0)
ISBN 978-3-7780-8910-1
Das Buch ist zum Preis von 49,90 € über den Buchhandel zu beziehen.

Quelle: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

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Étiquettes: Bewegung, Sport, Kinder, Jugendliche

Was Kindern den Rücken stärkt

Moizi Kinder SchreibtischTisch und Stuhl sollten eine Einheit bilden (Foto: AGR/Moizi)Kinder, die den ganzen Tag an der frischen Luft beim Spielen verbringen, sind durch moderne Lebensumstände zur Seltenheit geworden. Der Alltag von Kindern und Jugendlichen wird zunehmend durch Sitzen dominiert – und diese Entwicklung bleibt nicht ganz ohne Folgen.

Kinderärzte und Orthopäden beobachten seit Jahren eine beunruhigende Tendenz: Rückenschmerzpatienten werden immer jünger. Neueren Umfragen zufolge hatte knapp die Hälfte der Grundschüler schon einmal darunter zu leiden und bei den älteren Jugendlichen steigt die Zahl auf bis zu 80 %. Tatsache ist, ein sinkender Altersdurchschnitt lässt sich nicht nur bei Rückenbeschwerden erkennen, sondern auch bei anderen Krankheitsbildern. Heranwachsende, die an Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Gelenkschmerzen oder Bluthochdruck leiden, sind heutzutage keine Ausnahme mehr. Sie werden häufig durch Faktoren wie schlechte Ernährung, mangelnde Bewegung und zu viel Sitzen begünstigt.1


Expertenrat: Das Bewegungsbedürfnis von Kindern fördern
Was kann man gegen verspannte Kinderrücken tun – oder was hilft, damit es gar nicht so weit kommt? Experten sind sich einig: Ausreichende Bewegung und die richtigen Alltagsgegenstände sind zwei entscheidende Komponenten. Der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) e. V., Dr. Dieter Breithecker, rät dazu, dass Kinder sich mindestens drei Stunden täglich bewegen. Ohnehin haben die meisten Kinder einen großen Bewegungsdrang und möchten toben, spielen und rennen. Eltern sollten das fördern, genauso, wenn das Kind sich für Sport begeistert. Abwechslungsreiche Bewegung, die den ganzen Körper involviert, ist dabei besser als eine frühzeitige Spezialisierung auf eine einzige Sportart, denn diese Vielseitigkeit gibt wichtige Impulse für die körperliche, geistige und psychische Entwicklung.

So können Kinder selbst im Sitzen aktiv sein
Die tatsächlichen Lebensumstände sehen jedoch häufig anders aus, denn viele Kinder sitzen täglich stundenlang: in der Schule, bei den Hausaufgaben oder vor Computer, Spielkonsole und Fernseher. Ein weiterer Aspekt: Ergonomie spielt bei Kindermöbeln oft eine eher untergeordnete Rolle – ein Fehler mit gravierenden Folgen, warnt auch Detlef Detjen, Geschäftsführer der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. Der Verein befasst sich seit Jahren mit dem Thema „Gesunder Kinderrücken" und weiß, wie wichtig die richtigen Alltagsgegenstände für eine gesunde Entwicklung der Kinder sind. Dreidimensional bewegliche Stühle fördern dynamisches Sitzen und unterstützen den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern. Positiver Nebeneffekt: Auch die Konzentrationsfähigkeit wird so verbessert.

Die AGR hat einen umfangreichen Kriterienkatalog formuliert, den Kindersitzmöbel erfüllen müssen, um mit dem AGR-Gütesiegel als besonders rückengerechte Produkte ausgezeichnet zu werden. Neben der Anpassungsfähigkeit an verschiedene Haltungen und Sitzpositionen zählen dazu eine Größenverstellbarkeit, Federung sowie ergonomische Sitz- und Lehneigenschaften. AGR-zertifizierte Kindersitzmöbel gibt es beispielsweise von den Herstellern Moizi (www.moizi.de), VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken (www.vs-moebel.de), aeris (www.aeris.de) und moll (www.moll-funktion.de). Sie alle beweisen, dass Sitzen und Bewegung kein Widerspruch sind.

Tisch und Stuhl als zusammenhängendes Systemmoll Maximo WinnerZertifizierte Schreibtische sollten mitwachsen und eine Neigefunktion haben. (Foto: AGR/moll)
Ein guter Stuhl ist ein guter Anfang, doch wichtig ist auch, dass Tisch und Stuhl eine Einheit bilden. Beim Tisch ist es wichtig, dass er eine Neigungsfunktion von mindestens 16° aufweisen sollte. Der Grund: Durch eine starre und flache Tischplatte werden Verspannungen im Nacken begünstigt. Ein AGR-zertifizierter Kinderschreibtisch, etwa von den Herstellern Moizi, VS oder moll, ist darüber hinaus mit einer ausreichend großen Arbeitsfläche ausgestattet und höhenverstellbar.

Die AGR empfiehlt Sitzmöbel und Schreibtische nicht nur für den Hausgebrauch, sondern auch für Schulen. Wie könnte also das ideale Klassenzimmer aussehen? Dr. Breithecker fasst zusammen: Heranwachsende brauchen ein Mobiliar, welches zu ihnen passt. Empfehlenswert sind zudem Stühle mit einer dreidimensional beweglichen Sitzfläche, die verschiedene Positionen ermöglichen. Und dabei soll es nicht bleiben: Am besten ist eine dynamische Unterrichtspädagogik mit der Möglichkeit abwechselnd im Sitzen und Stehen zu lernen.

Schon bei den Kleinsten auf rückengerechte Ausstattung achten
Nicht jeder weiß: Die Ursache von Rückenbeschwerden findet sich oft bereits im Säuglings- und Kleinkindalter, denn schon bei Babyschalen oder Kinderwagen werden oft die falschen Prioritäten gesetzt. Leicht und handlich sollen sie sein, doch was für die Eltern praktisch ist, tut dem Rücken der Kinder nicht unbedingt gut. Produkte des Herstellers kiddy (www.kiddy.de), die von der AGR als besonders rückengerecht zertifiziert wurden, beweisen, dass Handlichkeit nicht auf Kosten der Kindergesundheit gehen muss.

Egal, ob beim Sonntagsspaziergang oder im Urlaub: Bei Unternehmungen mit dem jüngsten Familienmitglied darf der richtige Kinderwagen nicht fehlen. Umso wichtiger, dass der Wagen Eltern und Kind gerecht wird. Dies geht am besten durch diverse Verstellmöglichkeiten, die einen Wechsel aus Liege- und Sitzposition möglich machen, ein geringes Eigengewicht und Anwendungsmöglichkeiten, die sich dem Alter und den Proportionen des Kindes anpassen lassen. Sichtfreiheit, optimale Klimatisierung, Wetterschutz, einfache Faltbarkeit und Erfüllung der geltenden Sicherheitsstandards sind darüber hinaus die Kriterien für einen AGR-zertifizierten Kinderwagen.
kiddy rückenfreundlich BabyschaleDie Kleinsten sind im Auto in der Babyschale am besten aufgehoben. (Foto: AGR/kiddy)
Auch im Auto sind die Kleinsten mit dabei – zunächst in Babyschalen, die rückwärts zur Fahrtrichtung befestigt werden. Das Problem: Bei herkömmlichen Babyschalen sind die Kinder während der Fahrt in einer Position fixiert, bei der die Wirbelsäule gekrümmt ist. Viel besser geeignet ist eine Autobabyschale, die sich in die liegende Position verstellen lässt. Babyschalen von kiddy, die mit dem AGR-Gütesiegel ausgezeichnet wurden, ermöglichen den Positionswechsel mit nur mit einem Handgriff. Ab einem Alter von 9 Monaten bis zu 12 Jahren sind Kindersitze im Auto unverzichtbar. Modelle von kiddy sind für verschiedene Alters- und Gewichtsklassen erhältlich und tragen ebenfalls das AGR-Gütesiegel.

Gesunder Schlaf für Babys und Kleinkinder: Auf die Matratze kommt es an
Erwachsene verbringen etwa ein Drittel ihres Lebens schlafend, Säuglinge und Kleinkinder schlafen mit etwa 12-16 Stunden pro Tag noch deutlich mehr. Für eine gesunde Entwicklung des Rückens ist die richtige Matratze bei den Kleinsten ein entscheidender Faktor. Matratzen mit AGR-Gütesiegel der ALVI - Alfred Viehhofer GmbH & Co. KG (www.alvi.de) berücksichtigen die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern in besonderem Maße. Die Matratzen dürfen nicht zu weich sein, sollten sich aber trotz des geringen Körpergewichts dem Profil des Kindes anpassen. Praktisch sind Duo-Matratzen mit einer weicheren Baby- und einer festeren Kinder-Seite. Besonders wichtig ist außerdem ein ausgeklügeltes Belüftungssystem der Matratze. Ein trittfester Matratzenrahmen gibt zusätzliche Sicherheit, damit die Kinderfüße nicht zwischen Matratze und Bettgestell eingeklemmt werden können.

Kinderschuhe für gesunde Füße von Anfang an
Falsches Schuhwerk wirkt sich nicht nur auf die Füße und Beine aus, sondern beeinflusst die ganze Haltung und kann sogar Rückenbeschwerden verursachen. Vor allem bei Kindern, die sich noch im Wachstum befinden, muss die Entstehung von Fehlhaltungen jedoch unbedingt vermieden werden. Passendes und bequemes Schuhwerk ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Kinderschuhe des Herstellers chung shi (www.chung-shi.de) wurden von der AGR mit dem Gütesiegel „Geprüft & empfohlen" ausgezeichnet. Sie passen sich dem Fuß nicht nur in seiner Länge, sondern auch in Breite und Höhe an. Darüber hinaus verfügen sie über eine flexible Sohle – dies gewährleistet eine Beweglichkeit des Fußes ohne Auswirkungen auf die Haltung und die Wirbelsäule. Die AGR weist darauf hin, dass Babys und Kleinkinder noch gar keine festen Schuhe benötigen – laufen lernen geht barfuß am besten.

1http://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/uebergewicht-fettsuchtadipositas/auswirkungen/

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Étiquettes: Rückenschmerzen, Kinder, Baby

Bewegte Hausaufgaben für einen starken Rücken

Fotolia Hausaufg260Bild FotoliaSchon Grundschüler klagen über Rückenschmerzen

Wenn Kinder aus der Schule kommen, haben sie einige Stunden im Sitzen hinter sich. Dieser Bewegungsmangel führt schon bei Grundschülern zu Rückenschmerzen. Ausgleichende Bewegung am Nachmittag und bei den Hausaufgaben ist da dringend geboten. Die Aufgaben gehen nach ein bisschen Sport und Spiel auch gleich viel leichter von der Hand, weil Konzentration und Merkfähigkeit steigen. Die Unfallkasse Berlin hat ein paar Tipps zusammengestellt.



Bewegte Hausaufgaben – so geht's:

  • Bewegte Hausaufgaben im Liegen, Hocken oder Sitzen tun dem Rücken gut. Auch die Fensterbank kann mal zum Schreibtisch werden, die Couch zum Ort des Schulbuch-Lesens.
  • Nach 30 Minuten Hausaufgaben bringt eine Bewegungspause neue Energie, und wenn es nur kurzes Kicken auf dem Hof ist.
  • Für Bewegung sorgen auch „Frischluft-Aufgaben" wie das Geschwisterkind aus dem Kindergarten abzuholen oder mit dem Fahrrad ein paar Sachen einzukaufen.
  • Müll herunterbringen, Spülmaschine ausräumen oder Gartenwege fegen sind unbeliebte Aufgaben. Sie fallen dem Kind leichter, wenn es anschließend eine kleine Überraschung gibt, etwa einen Obstteller neben den Hausaufgaben.
  • Schnupperstunden im Sportverein sind meistens kostenfrei. Das Kind kann ausprobieren und dann den passenden Sport wählen. Die Hemmschwelle sinkt, wenn der beste Freund oder die beste Freundin mitkommt und die Kinder sich gemeinsam für eine Sportart entscheiden.
  • Schwimmen gehen: Schwimmen zählt zu den gesündesten Sportarten und bringt vielen Kindern Spaß. Zudem trainiert es auf gelenkschonende Weise die Muskulatur.

Weitere Tipps rund um einen gesunden Rücken bietet www.deinruecken.de, die offizielle Seite der Präventionskampagne "Denk an mich. Dein Rücken".
Träger sind die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sowie die Knappschaft. Die Kampagne hat das Ziel, Rückenbelastungen bei der Arbeit, in der Schule und in der Freizeit zu verringern.

Quelle: Pressemitteilung Unfallkasse Berlin

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Étiquettes: Rückenschmerzen, Kinder

Welche Wirkung erzielen Präventionsmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen?

BVPG Icon Mitglied 180 602193Einen interessanten Artikel über die Wirksamkeitsforschung zu Prävention und Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen veröffentlichte die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. (bvpg). Es ging dabei herauszufinden, was in der der Prävention bei Kindern und Jugendlichen wirkt. Den Artikel lesen Sie HIER auf der Internetseite des bvpg.
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Étiquettes: Prävention, Kinder, Jugendliche

Große Last für kleine Patienten: Immer mehr Kinder leiden unter Rückenschmerzen

blog kinderpmKinder brauchen Bewegung - weil Stillsitzen krank macht. Bild: AGR/aerisDass Rückengesundheit schon bei Kindern und Jugendlichen ein wichtiges Thema ist, lässt sich beim Blick in die Wartezimmer von Orthopäden erahnen: Hier findet man unter den Patienten gehäuft auch immer mehr junge Menschen, was daran liegt, dass viele Heranwachsende schon unter Rückenschmerzen leiden. Wir haben mit Dr. Dieter Breithecker, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) e. V., über Hintergründe und Präventionsmöglichkeiten gesprochen.


Aber warum leiden schon so viele Kinder an Rückenschmerzen?
Dr. Breithecker: Das hat multifaktorielle Gründe. Die gegenwärtigen Forschungsergebnisse zeigen, dass bei Kindern und Jugendlichen ein komplexes Zusammenspiel von körperlichen, psychologischen und sozialen Faktoren das  Rückenschmerzgeschehen bestimmt. Man muss auch immer wieder hervorheben, dass Kinder Heranwachsende sind. Das heißt, ihr Körper durchläuft wichtige und vor allem kritische biologische Reifungsprozesse. Dadurch weisen sie eine geringere Belastungsverträglichkeit auf, was aber nicht heißt, dass sie grundsätzlich geschont werden müssen. Aber: Einseitige Belastungen, Fehlbelastungen wie stundenlanges Sitzen auf schlechten und schlecht angepassten Schulmöbeln, Haltungsschwächen infolge einer mangelhaft ausgebildeten Muskulatur bzw. mangelhaften Körperwahrnehmung und zunehmende psychische Belastungen sind schlechte Garanten für eine gesunde Entwicklung des Rückens.

blog breitheckerDr. Dieter Breithecker, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) e. V.Inwiefern spielt die moderne Entwicklung der Gesellschaft eine Rolle?
Dr. Breithecker: Der Mensch steht immer in einem Wechselbezug zu seiner Umwelt. Diese verlangt uns heute im Gegensatz zu früher immer weniger körperliche Aktivität ab. Die Sekundärmobilität wie z. B. durch Autos und Rolltreppen löst
die Primärmobilität, also das Fahrradfahren oder zu Fuß gehen, immer mehr ab. Kinder gehen heutzutage selten noch zu Fuß zur Schule. Ihre Umwelt und Lebenserfahrungen sammeln sie heute mehr und mehr sitzend aus zweiter Hand (über Fernseher, Computer etc.). Klassische und durch die Vielfalt einer natürlichen Umwelt ermöglichte Bewegungsherausforderungen wie beispielsweise auf Bäume klettern, bleiben Kindern weitestgehend verschlossen. An diese Stelle treten immer mehr durchorganisierte und eingeschränkte Bewegungsangebote in Vereinen, auf Schulhöfen und Spielplätzen. Diese erreichen Kinder nicht in ihrem spielerischen Erkundungsbedürfnis, sind meistens übergesichert und damit
wenig herausfordernd und langweilig. Die Folge: Kinder verbringen täglich im Schnitt neun Stunden sitzend und bewegen sich nur rund eine Stunde. Damit fehlen ihnen wichtige Impulse für die körperliche, geistige und psychische Entwicklung.

Viel Bewegung im Kindesalter ist also wichtig für einen gesunden Rücken. Aber muss es denn immer gleich Sport sein?
Dr. Breithecker: Viel Bewegung – und das bedeutet ca. drei Stunden täglich - ist elementar für die Entwicklung von Körper, Geist und Psyche und damit auch für den Rücken. Die Betonung liegt hier zuerst einmal auf Bewegung nicht auf Sport. Je jünger Kinder sind, umso mehr steht die spielerische und selbstorganisierte Bewegung im Vordergrund. Das heißt, dass insbesondere im Vor- und Grundschulalter die Vielseitigkeit vor der Spezialisierung stehen sollte. Gerade
komplexe körperliche Aktivitäten wie Klettern, Balancieren, Hangeln, Springen, Rennen, Fahrrad fahren und mit Bällen spielen, geben wichtige Entwicklungsimpulse für alle biologischen Funktionen. Sportliches Interesse und Handeln kann mit zunehmendem Grundschulalter parallel dazu Berücksichtigung finden.
Und da die Kinder in ihrer Freizeit heute mehr Zeit vor Fernseher, Computer und Co. sitzend verbringen, sollte dies möglichst auf kindgerechtem Mobiliar erfolgen.

blog kindermoiziWas bedeutet denn „kindgerechtes Mobiliar"? Und warum ist besonders das lange Sitzen in der Schule und zu Hause so schädlich?
Dr. Breithecker: Langes Sitzen ist für alle Generationen eine sehr unnatürliche Verhaltensweise. Das gilt insbesondere für Kinder, da gerade sie im Zuge ihrer Reifungsprozesse viele Entwicklungsreize in Form von vielseitiger Bewegung benötigen. Und diese Bewegungsreize fordert ein gesundes Kind auch permanent ein. Ein Grund, warum Kinder selten still sitzen können und auf dem Stuhl beginnen unruhig hin und her zu rutschen oder zu kippeln. Das ist eine natürliche und gesunde „Strategie" des heranwachsenden Organismus, sich gegen diese ungesunden Bedingungen zur Wehr zu setzen. Langes Sitzen und vor allem Stillsitzen bedeutet dagegen „Stress" für Rücken, Geist und Seele. Kinder im Grundschulalter können maximal fünf Minuten still sitzen. Sie benötigen einen Stuhl, der ihre gesunde Bewegungsunruhe aufnimmt und nicht blockiert und sie sollten häufiger an einem Stehpult arbeiten.

Welche Anforderungen stellen Sie an einen idealen ergonomischen Arbeitsplatz für Kinder? Was zeichnet Ihrer Meinung nach gute Tische und Stühle aus?
Dr. Breithecker: Wenn Kinder über einen längeren Zeitraum sitzen müssen, dann sollten sie als allererstes einen Stuhl und einen Tisch haben, der sich ihren konstanten, wachstumsbedingten Körperproportionsveränderungen
stufenlos anpassen lässt. Darüber hinaus brauchen sie einen Stuhl mit einer dreidimensional beweglichen Sitzfläche. Diese nimmt die gesunde Bewegungsunruhe auf, anstatt sie zu blockieren. Dadurch wird auch während des Sitzens eine
natürliche und intuitive Selbstorganisation von Sitzvariationen ermöglicht, die wir heute als dynamisches Sitzen bezeichnen. Darüber hinaus sollte häufig das Sitzen unterbrochen werden und z. B. an einem Stehpult weiter gelernt werden.
Die Aktion Gesunder Rücken zeichnet besonders rückenfreundliche (Schreibtisch-) Stühle und Tische mit dem AGR-Gütesiegel aus. Zertifizierte Produkte gibt es beispielsweise von den Firmen aeris, moll, MOIZI und VS-Möbel. Weitere Informationen gibt es auf der AGR-Homepage unter www.agr-ev.de/produkte/guetesiegel in der Kategorie „Aktion Gesunder Kinderrücken".

Abschließende Frage: Was tun Sie selbst für einen gesunden Rücken?
Dr. Breithecker: Grundsätzlich keine spezielle Rückengymnastik. Ich versuche so viel Bewegung wie möglich in meinen Alltag zu integrieren. Mein Bürostuhl und meine Freizeitstühle haben eine dreidimensional bewegliche Sitzfläche,
mein Arbeitstisch kann ich zum Stehpult verändern, was ich auch regelmäßig nutze. Das Telefonieren erledige ich im Stehen oder laufe währenddessen hin und her. Ich ziehe grundsätzlich die Treppe Aufzügen und Rolltreppen vor. Darüber hinaus gilt für mich das bekannte Lebensmotto „Der Weg ist das Ziel!" und ich versuche so viele Schritte wie möglich in meinen Alltag zu integrieren, ohne mich an der Maxime von 10.000 Schritten pro Tag zu orientieren. Ab und zu führt mich
dann auch mal der Weg ins Fitnessstudio, aber nur, wenn es draußen kalt und regnerisch ist.


Weiterführende Informationen zu rückengerechten Kinderprodukten mit dem AGR-Gütesiegel und einem Verzeichnis geschulter und zertifizierter Fachgeschäfte sind auf Anforderung als Infopaket mit dem „Ergonomie-Ratgeber" und dem Ratgeber „AGRMAGAZIN" zum Preis von 12,95 Euro bei der AGR (Tel. 04284/926 99 90 oder www.agr-ev.de/patientenmedien) erhältlich.


Siggi daumen hoch links180Kindern den Rücken stärken: Aktion Gesunder Kinderrücken
Die Initiative „Aktion Gesunder Kinderrücken" der AGR und BAG fördert die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und erweitert das Bewusstsein von Eltern, Lehrern und Kindern für ein rückengerechtes Umfeld sowie ausreichend Bewegung. Neben den bereits erwähnten Sitzmöbeln und Schreibtischen werden auch andere rückengerechte Kinderprodukte ausgezeichnet wie z.B. Autokindersitze. Bei langen Autofahrten schmerzt nicht nur bei Erwachsenen irgendwann das Kreuz, auch der Kinderrücken leidet. Viele der im Handel erhältlichen Sitze sind eher unkomfortabel und unergonomisch. Deshalb gilt: Kindersitze müssen nicht nur alle Sicherheitsbedingungen erfüllen, sondern auch den ergonomischen Anforderungen des Nachwuchses gerecht werden. AGR-zertifizierte Kindersitze gibt es bei der Firma kiddy. Auch ein falsches Schuhwerk kann bei Heranwachsenden schnell zu Rückenbeschwerden führen. Denn ein Großteil der Kinder und Jugendlichen leidet unter Fußschwächen und teilweise sogar unter beginnenden Fußschäden, die schließlich zu Haltungsschäden und Rückenschmerzen führen. Produkte mit dem AGR Gütesiegel aus diesem Bereich sind der chung shi® DUX Trainer Kids sowie der chung shi® DUXFree Kids (www.chung-shi.com).
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