GEMEINSAM GEGEN
RÜCKENSCHMERZEN!

slider rueckenschmerzen

Rückenschmerzen - Ursachen & Tipps

 

 

Rückenschmerzen haben viele Ursachen

Wer kennt sie nicht: Rückenschmerzen. Immerhin leiden drei von vier Deutschen mindestens einmal im Leben an Kreuzschmerzen. Jüngere Menschen sind häufiger betroffen als ältere Personen. Die gute Nachricht ist: Über 90 Prozent aller Rückenschmerzen sind unkompliziert. Nur selten liegen ernsthafte Erkrankungen vor. Deshalb können Betroffene sehr viel selbst tun, damit die Beschwerden bald wieder verschwinden.

Dr. Martin Buchholz
Dr. Martin Buchholz

Rückenschmerzen können sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben – oft beeinflussen sich diese Faktoren gegenseitig. Der häufigste Grund sind Muskelverspannungen aufgrund von Fehlhaltungen, einseitigen Belastungen und mangelnder Bewegung. Die Muskeln werden dabei ungleichmäßig belastet. „Manche Muskelgruppen sind überfordert, andere wiederum unterfordert. So kommt es, dass sich Muskeln verkürzen oder verhärten. Dieses muskuläre Ungleichgewicht führt zu Verspannungen und Schmerzen. Der Rücken verliert an Stabilität“, erklärt Dr. Martin Buchholz (Facharzt für Orthopädie aus Hamburg - www.orthopaediecentrum.de).

Neben muskelbedingten Rückenschmerzen sind Störungen der Nervenfunktion mit etwa fünf Prozent der zweithäufigste Grund für Kreuzschmerzen. „Ein eingeklemmter Nerv, die Verengung eines Nervenaustrittspunktes an der Wirbelsäule oder eine Nervenentzündung können starke Schmerzen verursachen“, beschreibt Dr. Buchholz die Auswirkungen. Andere Gründe wie Knochenbrüche oder Tumore sind deutlich seltener und nur für etwa ein Prozent aller Rückenschmerzen verantwortlich.


Teufelskreis Rückenschmerz

Rückenschmerzen enden oft in einem Teufelskreis: Viele Menschen mit akuten Beschwerden haben dann Angst vor jeder Bewegung und reagieren darauf mit einer Schonhaltung, die die Schmerzen zunächst mindert. Der Versuch, schmerzhafte Bewegungen durch Schonhaltung zu vermeiden, führt aber dazu, dass bislang noch nicht schmerzende Muskelgruppen überlastet werden. Auf diese Weise greift die anfänglich örtlich begrenzte Verspannung mitunter auf den ganzen Rücken über.

Wenn dieser Teufelskreis einmal eingesetzt hat, ist der Grund seiner Entstehung nicht mehr so wichtig, denn die Behandlung ändert sich dadurch nicht. „Durch eigenes Engagement können Sie viel dazu beitragen, diesen Mechanismus zu durchbrechen:

Spazierengehen und Ergometer statt Bett und Ruhe

Bleiben Sie so gut es geht in Bewegung!“, rät Dr. Marco Gassen, (Sportmediziner und Rückenspezialist aus Wiesbaden - www.qimoto.de). Um die akuten Schmerzen zu lindern, helfen einfache Schmerzmittel, Wärmeanwendungen und Massagen. „Wenn möglich, sollten Sie bei akuten, aber unkomplizierten Rückenschmerzen mehrmals am Tag 5-15 Minuten spazieren gehen, auch leichtes Fahrrad-Ergometertraining kann schnell zu einer Besserung beitragen. Längeres Liegen oder Sitzen, außer in einer Entlastungslage (Stufenlagerung) sollten Sie vermeiden. Auf keinen Fall ins Bett legen!“, so Dr. Gassen.

Ursachen von Rückenschmerzen
Ursachen von Rückenschmerzen

Selbsthilfe beginnt im eigenen Umfeld

Unbestritten bilden ausreichende Bewegung und die Korrektur ungünstiger eigener Verhaltensweisen die Grundlage für einen schmerzfreien Rücken. Doch das eigene Engagement den Rücken aufrecht zu halten stößt dort an seine Grenzen, wo das persönliche Bemühen auf ein rückenfeindliches Umfeld trifft - schlechte Stühle, Betten oder Autositze. Auch ein ergonomisch ungünstiges Arbeits- und Wohnumfeld kann zu Rückenschmerzen führen. Deshalb darf dieser wichtige Faktor bei der Suche nach den Ursachen und der Prävention von Rückenschmerzen nicht vergessen werden.

Die Behandlung und Vorbeugung von Rückenbeschwerden muss aus diesem Grund in einen ganzheitlichen Zusammenhang gestellt werden. Neben der medizinischen Versorgung und eigener rückengerechter Verhaltensweisen bedarf es auch eines rückengerechten Umfeldes in Alltag und Beruf. Überprüfen Sie Ihren Arbeitsplatz. Oft reichen einfache Handgriffe und Einstellungen an den Büromöbeln, um die Rückenbelastung zu senken. Achten Sie aber auch im privaten Umfeld auf rückenfreundliche Verhältnisse. Entsprechen zum Beispiel das Bett, das Sofa, die Schuhe oder der Autositz den Anforderungen an rückengerechte Produkte. Ausführliche Informationen dazu erhalten Sie auf dieser Webseite.

Selbstheilungskräfte aktivieren – Psyche hilft Körper

Marco Gassen
Dr. Marco Gassen

Rückenschmerzen haben einen erheblichen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden des Menschen. Ihre Entstehung und vor allem die Aufrechterhaltung beruhen neben den körperlichen Ursachen auf ungünstigen Verhaltens- und Gefühlsmechanismen. Stress und seelische Überforderung führen häufig zu Muskelverspannungen, die sich als Rückenschmerzen äußern können. Wegen dieser engen Beziehung zwischen Rückenschmerzen und seelischen Belastungen lassen sich die Beschwerden oft durch die Behandlung der Psyche bessern. Gesundheitspsychologische Beratung und Trainings zum besseren Umgang mit Stress und Belastungen kann bei beginnenden Beschwerden sehr effektiv sein und eine Chronifizierung verhindern oder verzögern. Aber auch bei chronischen Schmerzen sind psychologische Maßnahmen sehr hilfreich.


Rechtzeitige Hilfe verhindert Dauerschmerzen

Leider zögern viele Patienten mit chronischem Rückenschmerz eine geeignete Verhaltenstherapie zu beginnen. Dadurch können sich aber bestehende Angewohnheiten und Einstellungen ändern, die zu der Muskelverspannung geführt haben. „Wird eine Behandlung mit psychotherapeutischen Methoden rechtzeitig begonnen, besteht eine gute Chance den weiteren Prozess der Chronifizierung zu verhindern“, sagt Dipl. Psychologe Fredi Lang (Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Berlin). „Außerdem ist zu bedenken, dass grundsätzlich jeder Schmerz chronisch werden kann. Schon deshalb sind frühzeitige Maßnahmen notwendig“, ergänzt Lang. Oft ist die Nutzung psychologischer Verfahren ein wichtiger Schritt auf dem Weg bereits bestehende, dauerhafte Rückenschmerzen zu lindern.

Ein weiteres Ziel besteht darin, die psychischen und sozialen Folgen chronischer Rückenschmerzen zu verringern. „Es ist unser Bestreben, das Leben für den Betroffenen erträglicher zu machen und ihm seine häufig stark eingeschränkte Handlungsfähigkeit zurückzugeben“, so Lang. In der interdisziplinären Schmerztherapie findet die psychologische Betreuung deshalb immer mehr Beachtung.

Psychotherapeutische Methoden unterstützen die Schmerzbehandlung

Fredi Lang
Fredi Lang

Während der Therapie wird in den Prozess der Schmerzverarbeitung eingegriffen, der auf verschiedenen Ebenen abläuft. Dies geschieht in der klassischen Psychotherapie vor allem über Gespräche. Der Thematik angemessene ergänzende Strategien sind heute in der Psychotherapie üblich. Bei den psychotherapeutischen Ansätzen unterscheidet man beispielsweise die

  • verhaltenstherapeutisch orientierte Behandlung, bei der versucht wird, über Selbstkontrolle den Umgang mit den Schmerzen zu verbessern. Auch Schmerzbewältigungstechniken werden vom Patienten erlernt.
  • tiefenpsychologische Behandlung, bei der versucht wird, seelische Konflikte, die für den Schmerz (mit)verantwortlich sind und die bis in die Kindheit zurückreichen können, aufzuspüren. Der Patient soll sich von alten Verhaltens- und Erlebnismustern lösen und neue Wege beschreiten.
  • psychotherapeutisch körperorientierten Verfahren, bei denen die Selbstheilungskräfte des Körpers durch eine intensive Bewusstwerdung körperlicher Funktionen angeregt werden sollen. Häufig ist auch eine Kombination mit bestimmten Entspannungstechniken erfolgreich.


Auf die Einstellung kommt es an

Anne Flothow
Hon.-Prof. Dr.
Anne Flothow

Zu den wichtigsten psychologischen Verfahren bei Rückenschmerzen zählt heutzutage die kognitive Verhaltenstherapie. Sie geht davon aus, dass Meinungen, Einstellungen, Wünsche, Vorstellungen oder die Absichten eines Menschen sein Verhalten wesentlich beeinflussen. Auf diesem Hintergrund entsteht eine sehr persönliche Wahrnehmung der eigenen Rückenschmerzen. Dies kann den Schmerz in der Wahrnehmung des Betroffenen sowohl verstärken als auch abschwächen. „Wer Rückenschmerzen als schlimmen Schicksalsschlag einschätzt, wird die Schmerzen stärker erleben als jemand, der etwas aktiv für seine Rückengesundheit unternimmt“, erläutert die Hon.-Prof. Dr. Anne Flothow (Psychologin aus Hamburg – Vorstandsmitglied Bundesverband deutscher Rückenschule (BdR) e.V.)

Aktiv sein, positiv denken

Deshalb sollen Patienten mit Rückenschmerzen in der Verhaltenstherapie lernen, den Schmerz aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und neu zu bewerten. Im Gespräch zwischen Therapeut und Patient können negative Einstellungen aufgedeckt und zugunsten einer neuen, positiveren Sichtweise verändert werden. „Ziel ist es, die Überzeugung zu gewinnen, dass man seinen Rückenschmerzen nicht hilflos ausgeliefert ist“, erklärt Dr. Flothow. Sie rät, mit Hilfe von Bewältigungsstrategien Ängste zu überwinden, Aktiv zu werden und sein Selbstbewusstsein zu steigern.

Die Voraussetzung für eine erfolgreiche psychotherapeutische Behandlung von Schmerzen ist deshalb die Mitarbeit des Patienten. Nur wenn er bereit ist, den Verarbeitungsprozess aktiv mitzugestalten, können chronische Rückenschmerzen längerfristig gelindert werden.


Mehr Bewegung lindert Rückenschmerzen und beugt vor

ulrich_kuhnt_180
Ulrich Kuhnt

Bewegung tut gut und beugt Rückenschmerzen vor. Diese Erkenntnis scheint bei den meisten Menschen in Deutschland aber noch nicht angekommen zu sein. Denn zwei von drei Bundesbürgern verbringen ihre Freizeit am liebsten zu Hause auf dem Sofa. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von F.A.Z.-Institut und Forsa unter 1.000 Personen über 14 Jahre zu ihrem Bewegungsverhalten. Der Grund dafür ist simpel: Trotz eines schlechten Gewissens können sich die Deutschen einfach nicht aufraffen.

„Wir müssen es schaffen, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Sonst sind bei den Bewegungsmuffeln langfristig Rückenschmerzen vorprogrammiert“, sagt Ulrich Kuhnt, Sportpädagoge und Leiter der Rückenschule Hannover. Sportliche Höchstleistungen sind dabei gar nicht gefragt. Schon mit kleinen Tricks lassen sich mehr Aktivitäten problemlos in den Alltag einbauen. So sollte man Besorgungen öfter zu Fuß erledigen, eher mal Treppen steigen statt den Aufzug benutzen oder das Fahrrad aus dem Keller holen. Schon mit fünfzehn Minuten Fußweg zweimal täglich in mäßigem Tempo zur Bahn oder zum Einkaufen können auch Couch-Potatoes die Hälfte ihres Tagessolls an körperlicher Aktivität erreichen. Es darf auch gerne etwas mehr sein.

Bewegung: immer und überall

Selbst die Zeit in der Warteschlange an der Einkaufskasse oder der Bushaltestelle kann zur Bewegungszeit werden. Machen Sie sich zum Beispiel ganz lang, als ob Sie wie eine Marionette an einem imaginären Faden nach oben gezogen werden und strecken Sie so die Wirbelsäule. Oder dehnen Sie die Muskulatur, indem Sie sich zur Seite neigen oder sanft den Oberkörper nach links und rechts pendeln.

Auch im Büroalltag lässt sich mit Bewegung viel gegen Rückenschmerzen tun. Neben einem ergonomischen Arbeitsplatz können beispielsweise krankengymnastische Übungen Beschwerden verhindern. Lassen Sie sich hierzu von einem Therapeuten, z. B. einem Rückenschullehrer, beraten oder nutzen Sie eines der vielen Bürogymnastik-Programme der Krankenkassen. Die kleinen Trainingseinheiten für zwischendurch sind meist gut am Schreibtisch oder im Stehen durchführbar - ohne zusätzliche Hilfsmittel.

Positionswechsel entlasten den Rücken

Mit abwechslungsreichen Bewegungen lässt sich auch der häufigste Grund für Rückenschmerzen verhindern: Muskelverspannungen. Verändern Sie möglichst oft Ihre Sitzposition. Sitzen Sie zum Beispiel mal mehr nach vorne gebeugt, mal aufrechter, dann wieder ganz entspannt nach hinten gelehnt. Das wird umso leichter, wenn der Bürostuhl oder das heimische Sofa ergonomischen Anforderungen entsprechen.

Mehr Bewegung und Abwechslung kommen in den Alltag aber auch, wenn die Sitztätigkeit öfter durch Stehphasen unterbrochen wird. So lassen sich Kurzbesprechungen zum Beispiel auch am Stehpult erledigen. Und anstatt dem Kollegen am Ende des Flures eine Mail zu senden, ist ein kurzer Gang sicher eine Alternative. Müssen Sie einmal etwas länger Stehen, dann entlasten Sie doch die Wirbelsäule, indem Sie Ihr Gewicht ab und zu von einem Bein auf das andere verlagern. Denn auch im Stehen ist Abwechslung gefragt.


Rückenfreundlicher Sport

Damit der Rücken den Anforderungen des Alltags gewachsen ist, sollte die Muskulatur regelmäßig gestärkt werden. „Kräftige Muskeln helfen der Wirbelsäule ihre Stützfunktion zu erfüllen und Rückenschmerzen zu vermeiden. Sport spielt dabei eine wichtige Rolle. Viele Sportarten fördern außerdem Beweglichkeit und Koordination und damit das Zusammenspiel aller Komponenten, die den Rücken gesund erhalten“, rät Petra Regelin vom Deutschen Turner Bund.

regina_regelin
Regina Regelin

Wissenschaftliche Belege welche Sportart am besten bei Rückenschmerzen geeignet ist, gibt es allerdings nicht. Zwar kommt es in manchen Disziplinen im Wettkampf häufiger zu Rückenproblemen, das bedeutet jedoch im Umkehrschluss nicht, dass diese als Gelegenheitssport ausgeübt für Menschen mit Rückenschmerzen ungeeignet seien. Es kommt vor allem auf das „Wie“ an. Bei richtiger Dosierung, gezieltem Trainingsaufbau und guter Technik überwiegen in fast allen Sportarten die positiven Effekte. Neben dem Muskelaufbau hilft Sport zum Beispiel auch bei Stimmungstiefs, Schlafstörungen und Gefühlen der Vereinsamung, die häufig mit chronischen Rückenschmerzen einhergehen. Der Erfolg wird sich aber nur einstellen, wenn Sie den Sport regelmäßig ausüben.

„Bei der Auswahl einer geeigneten Sportart geht es weniger darum, ob er allgemein als „rückenfreundlich“ gilt. Viel wichtiger ist, dass der gewählte Sport zu Ihnen passt. Er muss Spaß machen, und zeitlich in den eigenen Tagesablauf passen“, empfiehlt Regelin. Wer zu Beginn seiner sportlichen Aktivität hinsichtlich der gesundheitlichen Anforderungen unsicher ist, sollte sich von einem Arzt oder Physiotherapeuten beraten lassen.


Eine gezielte Schmerztherapie hilft gegen Rückenschmerzen

Jeder kennt ihn, doch selbst Experten fällt es schwer, genau zu beschreiben,
was Schmerz ist. Nach einer Definition der Internationalen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes aus dem Jahr 1979 handelt es sich um „ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird“. Im Gegensatz zu früheren Vorstellungen, die Schmerz als rein körperlichen Vorgang betrachteten, wird hier auch das persönliche Schmerzerleben einbezogen. Danach kann also auch jemand schmerzkrank sein, bei dem die körperliche Ursache längst ausgeheilt oder keine zu finden ist.

Schmerz ist der Wächter unserer Gesundheit

Niemand hat gerne Schmerzen. Trotzdem sollten Schmerzen nicht ohne weiteres negativ bewertet werden. „Als Symptom haben beispielsweise akute Schmerzen eine wichtige Warn- und Schutzfunktion, die anzeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Der Körper reagiert darauf und versucht, durch Gegenmaßnahmen Schaden abzuwenden“, erklärt Dr. med. Jan-Peter Jansen, ärztlicher Leiter des Schmerzzentrum Berlin. Deshalb nannten ihn die alten Griechen den „bellenden Wachhund der Gesundheit“. Er tritt zum Beispiel bei Entzündungen oder Verletzungen auf, ist zeitlich begrenzt und kann durch die Behandlung der Ursache meist erfolgreich therapiert werden.

 

Dr. med. Jan-Peter Jansen
Dr. med. Jan-Peter Jansen

Diese positive Alarmfunktion geht dem Schmerz verloren, wenn er chronisch
wird. Im Gegenteil: Chronische Schmerzen zermürben die Patienten körperlich und können das ganze Denken und Fühlen vollkommen beherrschen. Sie werden zu einer stärkeren Belastung als die eigentliche Grunderkrankung. Der Schmerz hält beständig an und entwickelt sich mit der Zeit zu einem eigenständigen Krankheitsbild, das auch individuell behandelt werden muss. Es ist auch bekannt, dass chronischer Schmerz zu Verhaltensänderungen, Depression und sozialer Isolation führen kann.

Frühe Therapie verhindert ein Schmerzgedächtnis

Wenn Schmerzsignale sich ständig wiederholen, können sich die Nervenfasern
dauerhaft verändern und bilden ein „Schmerzgedächtnis“ aus. Die Folge ist, dass selbst leichte Reize wie Berührung, Wärme oder Dehnung plötzlich als Schmerz empfunden werden. Von diesem Effekt berichten auch viele Menschen, denen eine Gliedmaße amputiert werden musste. Die bei der Amputation oder dem Verlust eines Körperteils erfolgte Nervenverletzung hat sich verselbstständigt. Im zentralen Nervensystem haben die Schädigungen eine Gedächtnisspur hinterlassen, sodass ständig Nervenimpulse erzeugt werden, ohne dass ein Grund dafür vorliegt. Dies ist auch bei Rückenschmerzen möglich. „Um die Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses aufzuhalten, müssen die Schmerzimpulse frühzeitig durch eine geeignete Behandlung unterdrückt werden“, rät Jansen. Anderenfalls verliere der Schmerz seinen Sinn als Warnsignal des Körpers, und es bestehe die Gefahr, dass er chronisch wird, so der Schmerzexperte.

Schmerz ist nicht gleich Schmerz

Das Schmerzempfinden kann von Mensch zu Mensch stark schwanken und durch die Psyche beeinflusst werden. Wer sich ängstlich oder stark belastet fühlt, wird sich weniger gut entspannen können. Dies führt wiederum zu einer Erhöhung der Schmerzempfindlichkeit. Auf diese Weise kann ein Teufelskreis entstehen, in dem sich Schmerz und Stress gegenseitig verstärken. Eine gute Stimmungslage oder Ablenkung verringern dagegen den Schmerz. Außerdem gibt es schmerzempfindlichere und weniger schmerzempfindliche Menschen. Schmerz wird also individuell ganz unterschiedlich bewertet und beschrieben.

Schmerztherapie macht Bewegung möglich

Viele Patienten mit Rückenschmerzen verfahren nach dem Motto “Ein Indianer kennt keinen Schmerz” und beißen unnötigerweise auf die Zähne. Dieses falsche Heldentum führt allerdings dazu, dass die Betroffenen sich zu wenig oder gar nicht bewegen. Das setzt einen Teufelskreis in Gang. Der Schmerz verstärkt sich dabei immer mehr bis er kaum noch auszuhalten ist oder chronisch wird.

Stattdessen sind regelmäßige Bewegungsübungen notwendig, um die Muskulatur zu kräftigen und die Beweglichkeit zu erhalten, um seinen täglichen Aktivitäten nachgehen zu können. Die dazu erforderliche Krankengymnastik kann auf Grund der teilweise starken Schmerzen aber meist nur mit einer ausreichenden Schmerzbehandlung durchgeführt werden.

Ziel einer Schmerztherapie ist es deshalb, durch Auswahl geeigneter Schmerzmittel und angemessene Dosierung zu erreichen, dass der Betroffene dauerhaft keine oder kaum Schmerzen empfindet. „Es zeigt sich, dass ein Patient mit weniger Schmerzen entspannter ist, weniger Ängste und mehr Freude am Leben hat. Außerdem – und das ist ganz wichtig – kann der Betroffene dadurch frühzeitig an einer aktiven Therapie wie der Krankengymnastik teilnehmen“, sagt der Berliner Schmerztherapeut Jan-Peter Jansen.

Bei akuten Rückenschmerzen ohne Beteiligung der Nervenwurzeln wird der Arzt zunächst ein einfaches Schmerzmittel verordnen. Wegen der geringeren Nebenwirkungsrate ist der Wirkstoff Paracetamol erste Wahl. Er hat jedoch nur eine geringe schmerzlindernde Wirkung. Es kann deshalb sein, dass Paracetamol nicht ausreichend hilft. In diesem Fall sollten nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verwendet werden. In diese Gruppe gehören die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Ibuprofen. Sie sollten maximal sechs Wochen genommen werden. Für den dauerhaften Einsatz sind NSAR wegen ihrer Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt und die Nieren nicht geeignet. Besonders gefährdet sind Personen über 65 Jahre. Die Nebenwirkungsrate ist jedoch nicht für jedes Mittel gleich hoch. Besteht ein erhöhtes Risiko für Magenkomplikationen kann durch vorbeugende Gabe des Wirkstoffes Omeprazol die Gefahr gesenkt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie verträglichste Lösung.



Welcher Rückenschmerz-Typ sind Sie? – Machen Sie den Test

Dr. Dietmar Krause
Dr. Dietmar Krause

Ein heftiger Schmerz durchzieht den Rücken. Reflexartig bewegen wir uns keinen Millimeter mehr. Die Angst, es könnte etwas schlimmes passiert sein, lähmt jede Bewegung. Doch die Erfahrung von Medizinern zeigt, dass dies eher selten der Fall ist. Trotzdem hemmt die Furcht viele Menschen sich normal weiter zu bewegen. „Wer still hält und sich ins Bett legt riskiert, dass sich der Schmerz einnistet“, sagt Dr. Dietmar Krause, Vorsitzender der Aktion Rückenwirbel e. V. in Marburg. „Wichtig ist, so gut es geht weiter aktiv zu bleiben“, rät Krause. Doch die Betroffenen gehen je nach Typ unterschiedlich mit ihren Beschwerden um. „In der Praxis zeigt sich wie verschieden die Menschen mit ihren Schmerzen umgehen. Die einen vermeiden jede Bewegung und haben Angst. Andere wiederum gehen das Problem aktiv an und bewältigen so ihre Schmerzen“, hat Dr. Wolfgang Sohn, Psychotherapeut und Schmerzexperte aus Kempen beobachtet.

Mit den folgenden Fragen können Sie herausfinden, ob Sie zu den „Vermeidern“ oder den „Bewältigern“ gehören.





Quelle: Dr. Dietmar Krause, Aktion Rückenwirbel e.V.